HELGA de ALVEAR | Sammlung Falckenberg

27. Oktober 2008 | Von netsamurai | Kategorie: Ausstellungen, Kunst & Kultur, featured-slide

Harburg | bis 15 MÄRZ 09 | Die Sammlung Helga de Alvear, Madrid zu Gast in den Phoenix-Hallen

Helga de Alvear im Dialog mit Harald Falckenberg

| Kurator: Zdenek Felix, Ex-Direktor der Hamburger Deichtorhallen
| 21. November 2008 - 15.3.2009

Die Deutsche Helga de Alvear, Galeristin und leidenschaftliche Kunstsammlerin, ist seit ca. 20 Jahren in der Kunst- und Galerieszene aktiv. Sie besitzt mit über 2000 Werken eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Spanien. Eine Auswahl wird nun in den Phoenix-Hallen einen Dialog mit Exponaten der Sammlung Falckenberg führen, kuratiert von Zdenik Felix.

Wir müssen die Kunstverbreitung fördern, auch indem wir verschiedene Sammlungen zusammenbringen. [Helga de Alvear]

Das Engagement der Galería Juan Mordó (1964-1995) für avantgardistische Ausdruckformen setzt die Galería Helga de Alvear fort, wobei sich ihr Interesse seit einigen Jahren besonders auf Fotografie, Videokunst und Installationen richtet, ebenso aber auch auf die Ausdrucksformen der Konzeptkunst und der Minimal Art. Seit 1995 verfügt die Galerie über 900 qm große Räume in der Nähe von Madrids Reina Sofía Nationalmuseum. Gezeigt werden in den beiden Räumen zu ebener Erde Werke internationaler Künstler (wie Dan Flavin, Kazuo Katase, Gordon Matta-Clark und Thomas Ruff) und spanischer Künstler (darunter Pep Agut, José Maldonado, Mabel Palacin und Adolfo Schlosser).

VIDEO | Galería Helga de Alvear | Issac Julien - Western Union:Small Boats | 2-2008

 
VERNISSAGE.TV

Im oberen Stockwerk befindet sich das Estudio Helga de Alvear. Dessen Programm besteht aus kuratorischen Ausstellungen, In-Situ-Projekten und andere Arbeiten, die mit ihren besonderen Eigenschaften ideal für diesen Raum sind.

Helga de Alvear verbindet ihre Arbeit als Direktorin der Galerie mit ihrer Leidenschaft für das Kunstsammeln, was zum Aufbau einer eigenen Sammlung führte – sie gibt aus ihren Beständen oft Leihgaben für Ausstellungen in der ganzen Welt.

Mehr als 2000 Arbeiten zeitgenössischer Kunst konnte sie seit 1967 zusammentragen. Ab 2007 haben Teile der schätzungsweise  140 Millionen Euro schweren Sammlung im “Centro de Arte Visuales - Stiftung Helga de Alvear” in Cáceres ein dauerhaftes Zuhause bekommen. 2010 soll das komplette Kunstzentrum (Architekten: Manilla y Tuñon) fertiggestellt sein.

Die Arbeiten aus den letzten 40 Jahren stammen von Künstlern wie Noboyoshi Araki, Thomas Demand, Issac Julien, Vanessa Beecroft, Olafur Eliasson, Sylvie Fleury, Angela Bulloch, Luc Tuymans oder Jeff Wall. Die Sammlung wurde mittlerweile in eine Stiftung überführt, die 30 Jahre im Besitz der Galeristin bleibt. Ein Arrangement, daß ihr die Steuerung der künstlerischen Richtung des Kunstzentrums für diesen Zeitraum sichert. Danach geht die Stiftung Helga de Alvear an die Provinzregierung über, die auch die Kosten für den Museumsbau übernimmt.

Helga de Alvear
im Dialog mit Harald Falckenberg
| Kurator: Zdenek Felix, Ex-Direktor Deichtorhallen
| 21. November 2008 - 15.3.2009
Sammlung Falckenberg
| Phoenix-Hallen / Hamburg-Harburg

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cover photo: jens ullheimer

Aus dem Maschinenraum der Kunst | von Harald Falckenberg

| Gebundene Ausgabe
| 375 Seiten 
| Sprache: Deutsch
| 16,2 x 10,4 x 2,8 cm

| kaufen bei amazon

Die Vorstellungen des traditionellen Kunstliebhabers von einer ungetrübten Freude am Werk werden im zeitgenössischen Diskurs durch die Fragestellung “Was sind die Rahmenbedingungen für Kunst, wie wird etwas Kunst?” wissenschaftstheoretisch attackiert. Mit seinen Aufzeichungnen “Aus dem Maschinenraum der Kunst” liefert Harald Falckenberg Belege für diese grundlegende Wende aus der Sicht eines Sammlers. Es geht um eine Sichtweise, die nicht das Kunstwerk, sondern den Künstler, die Bedeutung neuer Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychoanalyse für die Kunst sowie den Einfluss des aktuellen Kunstbetriebs in den Mittelpunkt stellt. Der Band enthält darüber hinaus Portraitskizzen zu Werner Büttner, Hanne Darboven, Jonathan Meese, Klaus Staeck u.a., sowie ein Gespräch des Autors mit Hans Ulrich Obrist.

“Was sind die Rahmen bedingungen für Kunst, wie wird etwas Kunst?” Es geht um eine Sichtweise, die nicht das Kunstwerk, sondern den Künstler, die Bedeutung neuer Erkenntnisse der Hirnforschung und Psychoanalyse für die Kunst sowie den Einfluss des aktuellen Kunstbetriebs in den Mittelpunkt stellt.

[Falckenbergs Buch] ist ein durchgehend lesenswertes Plädoyer dafür, dass Sammeln nicht in erster Linie Kaufen heißt, sondern schlicht Neugier auf die komplexen Inhalte und Wissensgebiete, mit denen Kunst zu tun hat. [ Artnet Magazin, 23.01.2008 ]

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Isaac Julien - True North | Installation view, 2007

Auf der  ARCO 2008 hat Artfacts.Net ein Interview mit Helga de Alvear geführt. Interview: Patricia Blasco | 6.3.2008

Artfacts.Net: In Caceres wird Ihre zeitgenössische Kunstsammlung dauerhaft ausgestellt sein. Aus diesem Grunde wurde die Helga de Alvear Stiftung in dieser Stadt eingerichtet; das Casa Grande wird restauriert und in dem Centro de Artes Visuales-Projekt mit dem Schwerpunkt auf Gegenwartskunst aufgenommen. Die erste Phase wird in diesem Jahr eröffnet, und das Zentrum wird ab 2010 den Betrieb aufnehmen. Lassen Sie uns über dieses Projekt sprechen: was sind Ihre Ziele?

Helga de Alvear: Meine Ziele sind immer dieselben. Ich habe zurzeit über 2000 Werke in drei verschiedenen Lagerhäusern untergebracht. Das ist so enorm viel Arbeit, weil mich jeder nach Objekten fragt, um eine Ausstellung zu organisieren. Die Stiftung wird für diese Arbeit zuständig sein. Sie ist schon eingerichtet und wird das Centro de Artes Visuales besitzen - eine Gesamtfläche von 10 000 m² für Ausstellungen, Workshops… Ich will Kultur anbieten. Wir müssen helfen, damit jede Region am Ende ihr eigenes Zentrum hat - wie in Deutschland. Es bleibt aber in Spanien. Ich lebe hier seit 50 Jahren. Ich liebe Spanien.
Herr Falckenberg wird eine Ausstellung mit meiner Sammlung organisieren. Die Eröffnung findet am 21. November in Hamburg statt. Es werden dann 70% von einer “Fremd-” und 30% von ihrer eigenen Sammlung gezeigt. Sie werden - in Zusammenarbeit mit einem Kurator - eine große Ausstellung präsentieren und einen Katalog zusammenstellen. Wir müssen die Kunstverbreitung fördern, auch indem wir verschiedene Sammlungen zusammenbringen.

Artfacts.Net: Die zeitgenössische Kunst hat einen Höhepunkt erreicht; es gibt immer mehr Privatsammler, die eine beachtliche Anzahl an Werken sammeln und dann nach Institutionen suchen, die das kulturelle Erbe mit der Gesellschaft teilen wollen. Sie sagten einmal, dass Galeristen “verantwortlich” für die Kultur seien. Sind Sammler für die Kultur innerhalb der Gesellschaft verantwortlich?

Helga de Alvear: Ja, unbedingt. Es gibt zwei verschiedene Arten von [Sammlern]. Zum einen gibt es all jene, die sich Sammler nennen und ihre Häuser dekorieren. Das sind keine Sammler - das sind reiche Leute, die an dem einen Tag eine Jacht kaufen, und einen Ferrari oder ein Gemälde an einem anderen Tag. Und dann gibt es die wahren Sammler. Das sind diejenigen, die helfen wollen, weil sie sich der Bedeutung und Wichtigkeit von Kultur bewusst sind. Davon mal abgesehen wird es aber auch eine Sucht. Meine Sammlung ist meine Sucht.

ARTFACTS.NET - Artikel lesen

 
Alicia Framis - “Welcome to Guantánamo Museum” | "Things To Forget" | scale model

 

Im Folgenden stellen wir einige aktuelle Aktivitäten / Aufkäufe der Sammlung Alvear vor:

Extraordinary Rendition | Helga de Alvear Gallery, Madrid

Die Galerie von Helga de Alvear in Madrid zeigte bis zum 19. Juli 2008 eine Ausstellung zum Thema “Extraordinary Rendition”.

Der Begriff Extraordinary rendition (deutsch: außerordentliche Auslieferung, auch Überstellung von Terrorverdächtigen) bezeichnet das Überführen einer Person von einem Staat zum anderen ohne juristische Grundlage.[2] In diesem Zusammenhang wird auch der Ausdruck torture by proxy (zu deutsch: stellvertretende Folter) von Kritikern dieser Überführungen genutzt, um Abläufe zu beschreiben, bei denen so genannte Terrorverdächtige in Länder überführt werden, deren Strafverfolgung von teilweise menschenrechtsverletzenden Befragungstechniken wie Folter geprägt ist. Des Weiteren wird von Kritikern angeführt, dass diese Folter in Mitwissen oder sogar in Einverständnis der veranlassenden Regierung geschieht.
[wikipedia | http://de.wikipedia.org/wiki/Extraordinary_rendition]

Der Ausdruck wurde von der Bush-Verwaltung geprägt. Dieser Begriff beschreibt gesetzliche Maßnahmen, die dazu dienen - im Namen des Kampfes gegen Terrorismus - das existierende Menschenrechts-System aufzuweichen und einige Individuen von seinem Schutz auszuschließen.

Nach den 9-11 Angriffen führten eine kleine Reihe ( für sich allein gesehene harmlose ) Maßnahmen in den USA, im Endeffekt  zur Abschaffung von Bürgerrechten. Das Patriot-Gesetz zum Beispiel “legalisiert” unerlaubte Festnahmen. Das Recht von Bürgern auf Privatleben oder die Pressefreiheit entwickeln sich zurück. Staatliches Kidnapping von Personen ohne Anklage und Inhaftierung ohne Prozeß. Physische und psychologische Folterung werden beschönigt und verharmlos. Mittelalterliche Methoden der Folterung bekommen jetzt neue schicke Namen wie “waterboarding”. Ein Versuch die wahre Bedeutung zu verschleiern. “Waterboarding” wird seit der spanischen Inquisition eingesetzt. Die Foltermethode, bei der Menschen unter Wasser gedrückt werden, bis sie fast ersticken, hinterlässt keine Spuren.

… siehe auch:

“Democracy in America: The National Campaign”
Ausstellung in New York | 21. bis 27.09.2008

VIDEO | Schockierende Folterkunst | ansehen (wmv 6.20 Min.)
In der New Yorker Park Avenue Armory, wo früher die Soldaten des 7. Regiments gedrillt wurden, brachten Künstler wie Steve Powers und Jon Kessler ihre Geschütze in Stellung und protestierten gegen “Waterboarding”. [26.09.2008 / Uwe Kröger für Kulturzeit / 3sat]

Die Galerie lud vier Künstler ein, über dieses Thema nachzudenken.

James Casebere (1953, Michigan, USA)

hat eine Reihe des Fotos geschaffen, die er “Flooded Cells” (Überschwemmte Zellen) nennt. Diese Bilder beschwören Hinweise auf Gefängnisse, klaustrophobische und bedrückende Räume, mit Verweis auf die  Methode der Folterung durch vorgetäuschtes Ertränken.

Elmgreen und Dragset (1961, Michael Elmgreen, Kopenhagen, Dänemark und 1969, Ingar Dragset, Trondheim, Norwegen)

“Phone Home / 2003” ( Anruf nach Hause) thematisiert den Verlust des Rechts auf Intimität im Bereich privater Kommunikation. Eine Reihe von Telefonkabinen bietet freie Verbindung mit der ganzen Welt an, gleichzeitig werden aber alle diese privaten Gespräche registriert, aufgenommen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

elmgreen-and-dragset-phone-home

Ein Tisch mit Audioabspielgeräten und Kopfhörern ermöglicht den Besuchern der Ausstellung zuzuhören, was Sie sagten.

Alicia Framis (1967, Barcelona, Spanien)

präsentiert den ersten Teil eines größeren Projektes, das sie “Welcome to Guantánamo Museum” (Willkommen im Guantánamo Museum) nennt. Modellbauten, Zeichnungen, Grundrisse und Strukturen zeigen und dokumentieren alle konstitutiven Elemente eines hypothetischen Museums bezogen auf das US-Gefangenenlager in Kuba. In die Installation fließen Audioarbeiten von Enrique Vila Matas und Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) ein.

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Das Projekt reflektiert das Museumsthema und -motto “Things to forget” mit zum Beispiel folgenden Gegenständen und Merchandising-Artikeln:
Ein Le Corbusier Chaiselongue verwandelt sich in einen elektrischen Stuhl. Es gibt einen nicht existierenden Briefkasten und Schuhe, die innerhalb ihrer Absätze ein System enthalten, das es den Häftlingen ermöglicht Selbstmord zu begehen. Eine Serie von orangener Kleidung wird von Alicia Framis zusammen mit Studenten während eines Workshops designed. Die Inneneinrichtung für das Museum wird unter Verwendung von Gefangenenzellen-Material hergestellt. Gleichzeitig werden in einem Klangraum die Namen aller eingesperrten Häftlinge von Guantanamo aufgerufen.

Santiago Sierra (1966, Madrid, Spanien)

Seine Arbeit thematisiert die Folterung und eine ihrer meist angewandten Methoden: den Schlafentzug von Häftlingen für Tage und Monate. Ein riesiger durch einen Generator betriebener Scheinwerfer ist das einzige Element in “Público iluminado con generador de gasolina” [Public illuminated by oil generator][Öffentlichkeit beleuchtet durch Ölgenerator].

Helga de Alvear | website

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“The disenchanted forest” - der entzauberte Wald

Angela Bulloch | 3. Tate Triennial 2006

Die Entzauberung ist ganz analytischer Natur: im Berliner Tiergarten und anderswo hat Angela Bulloch bemerkt, dass die Bäume von der deutschen Forstverwaltung mit Metallplättchen gekennzeichnet werden. 1001 solcher Metallplättchen hat Bulloch im Raum aufgehängt und ein rasender Lichtkegel, der über die Nummern huscht, thematisiert das endlose Zählen der Nummern.

Plakate mit gerasterten Motiven an der Wand verweisen in die Kunstgeschichte, nämlich auf die Op-Art und auf den Lichtkünstler Adolf Luther, dessen Krefelder Atelier auf einem Poster zu sehen ist. Auch die spinnwebenartigen Fäden sind nicht nur Naturreflex, sondern lassen sich vor allem auf Marcel Duchamp beziehen: “Sixteen Miles of String” heisst seine berühmte Installation in der Surrealisten-Ausstellung von 1942 in New York, mit der Duchamp den gewöhnlichen Ausstellungsraum verkabelt und damit durchbrochen hat.

Auch bei Bulloch verdeutlichen die Fäden die Verortung der Kunst im Museumsraum, bei ihr ist jedoch aus den 16 Meilen “ein Kilometer” geworden, 1000 Meter also, passend zu den 1001 Plaketten der Bäume.

Diese beständige Parallelen und Analogien betreffen auch die Interaktion von Klang und Licht: die sphärische Musik, komponiert im Auftrag der Künstlerin von Florian Hecker, ist elektronischer Natur und schafft zusammen mit den wechselnden Lichtstimmungen eine digitale Romantik, die im selben Moment, in der sie sich einstellt, sogleich an der laborartigen Nüchternheit der Installation zerschellt. Letztlich ist die Entzauberung des Waldes auch eine Entzauberung der Kunst, deren Bühnenmittel - Raum, Zeit, Ton, Licht - von der Künstlerin bloßgelegt werden. Diese Entzauberung geschieht jedoch mit solch einer Magie, dass jede Systematik wiederum aufgehoben ist. [Nationalgalerie für Junge Kunst 2005]

Angela Bulloch
The disenchanted forest” - der entzauberte Wald x 1001
Abgehängte Decke, erhöhter Boden, ein Kilometer selbstleuchtende Fäden, verschiedene Lichtquellen, elektronischer Soundtrack / 7-Kanal von Florian Heckert, Reihe von nummerierten Plaketten
für Bäume, 1-1001 an die Wand genagelt, rotierende Pistolenlampe
[Sammlung Helga de Alvear, Installationsansicht Tate 2006]

Helga de Alvear
im Dialog mit Harald Falckenberg
| Kurator: Zdenek Felix, Ex-Direktor Deichtorhallen
| 21. November 2008 - 15.3.2009
| Phoenix-Hallen / Hamburg-Harburg
Sammlung Falckenberg

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 BUCHEMPFEHLUNG

Ziviler Ungehorsam | von Harald Falckenberg

| Statement-Reihe, Band 34
| 274 Gramm, broschiert
| 184 Seiten, 50 Abb.

| kaufen bei amazon

Harald Falckenberg erhält das Wort. Als “Collector”, der junge und unangepasste Kunst sammelt wie kein anderer. Als Richter, der Kunst und ihren Kontext heute kritisch beurteilt und – wenn nötig – auch verurteilt. Neben scharfsinnigen Berichten über aktuelle Ereignisse und Entwicklungen im Kunstbetrieb beinhaltet dieser Band des in Hamburg lebenden Sammlers, Publizisten und Kunstvermittlers (Ausstellungsplattform “Phoenix Kulturstiftung”, Hamburg-Harburg) persönliche Stellungnahmen (Überblick der Sammlung, Interview mit Wilfried Dörstel) sowie leidenschaftliche Plädoyers für Künstler, die sich, wie der Autor, nicht davor scheuen, zivilen Ungehorsam zu leisten (Werner Büttner, Jonathan Meese, Paul McCarthy, Herbert Volkmann u.a.). Statements ohne Wenn und Aber.

TAZ | Brigitte Werneburg vom 14. Mai 2003 | Rezension lesen

Ein Kunstsammler, der behauptet, “ziviler Ungehorsam” stehe für zentrale Positionen seiner Erwerbungen, stehe für Werke von Künstlern, die sich nicht als Teil eines Systems verstünden, sondern der Angepasstheit und Willfährigkeit in unserer Gesellschaft Widerstand entgegensetzten, der freilich bewegt sich auf altbekannten, sehr traditionellen Wegen. Es gibt ihn also wieder, oder immer noch, den Künstler als gesellschaftlichen Außenseiter, dessen Werk, so Harald Falckenberg, “allein der Erkenntnis verpflichtet” sei, wie er im Fall des 33-jährigen Shooting Stars Jonathan Meese, einem seiner Favoriten, meint.

Seine eigene Haltung sucht er nun in einer aktuellen Publikation unter dem Begriff “Ziviler Ungehorsam. Kunst im Klartext” zu fassen. Doch sie bleibt in der Vielzahl der hier versammelten Artikel, Eröffnungsreden, Leserbriefen an die FAZ, Katalogbeiträgen und einem transkribierten Gespräch, höchst unklar.

Deutlicher wird die Faszination Falckenberg an Person und Lebensstil der immer männlichen Künstler, die er hofiert (u. a. Kippenberger, Oehlen, Mike Kelley, Paul McCarthy, Jason Rhodes, John Bock, Daniel Richter, Franz Ackermann oder Michel Majerus). Deutlich wird auch Falckenbergs Wunsch, sich als Stimme sowohl im kulturpolitischen wie im kunsttheoretischen Diskurs zu etablieren. Doch dazu mangelt es seiner Argumentation in jedem (einzeln nachzulesenden) Fall an Stringenz.

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