WERNER SCHAARMANN | Heimat BANDO
14. Mai 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Allgemeines, Journal, Kunst & KulturHamburg-Wilhelmsburg | Werner Schaarmann Juni und Juli 2009 | photographisch dokumentierte Spurensuche und Spurensicherung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager BANDO, Japan | Naruto / Japan

Im Juni und Juli 2009 hat der Hamburger Photograph und Bildhauer Werner Schaarmann – auf Einladung des Oberbürgermeisters der Stadt Naruto / Japan – eine photographisch dokumentierte Spurensuche und Spurensicherung im ehemaligen Kriegsgefangenenlager
BANDO durchgeführt.
Nahezu hundert Jahre sind vergangen, seit deutsche Kriegsgefangene, ihre japanischen Wachsoldaten und die um das Lager lebende japanische Bevölkerung eine Form der Koexistenz geschaffen haben, die in der Geschichte der Völker ihresgleichen sucht.
Den deutschen Soldaten aus Tsingtau ist es gelungen, ihre Kultur nicht als Bollwerk gegen den “Feind” im Lager zu funktionalisieren, sondern sie im Gegenteil für alle Beteiligten
offen sichtbar und hörbar werden zu lassen.
Diese fremde Kultur muß den japanischen Offizieren und Mannschaften anfänglich recht seltsam erschienen sein. Von deutschem Brot bis hin zur Aufführung der 9.ten Symphonie Beethoven´s drang Ungewohntes aus dem Lager.
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Heimat BANDO | Oktober 2009
Fotoausstellung von Werner Schaarmann
Goethe-Institut Japan in Osaka, Umeda Sky Building, Tower East 35F
Im Oktober 2009 ist mit “Heimat BANDO” im Empfangsraum des Goethe-Instituts in Osaka die zweite Fotoausstellung in diesem Jahr zu sehen. Die Schau dokumentiert die Spurensuche des Hamburger Malers und Bildhauers Werner Schaarmann im ehemaligen japanischen Kriegsgefangenenlager BANDO in Naruto. In der Gegenüberstellung von neuen Aufnahmen und Archivbildern findet die außergewöhnliche, kulturelle Völkerverständigung ihren künstlerischen Ausdruck.
Im Oktober 2009 wird mit “Heimat BANDO” im Empfangsraum des Goethe-Instituts in Osaka die zweite Fotoausstellung in diesem Jahr zu sehen sein. Die Ausstellung dokumentiert die Spurensuche des Hamburger Malers und Bildhauers Werner Schaarmann im ehemaligen japanischen Kriegsgefangenenlager BANDO in Naruto. In der Gegenüberstellung von neuen Aufnahmen und Archivbildern findet die außergewöhnliche, kulturelle Völkerverständigung ihren künstlerischen Ausdruck.
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VIDEO | “Ode an die Freude | Baruto no gakuen” – Film Japan, 2006
Beethoven “Ode an die Freude” Lagerkonzert / Ausschnitt
Der Film erzählt, basierend auf wahren Begebenheiten, die Geschichte von Soldaten der deutschen Kaiserlichen Marine, die 1914, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, nach dem Kampf um die chinesische Kolonie Tsingtao, von der japanischen Armee gefangen genommen und in das 1917 geschaffene Kriegsgefangenenlager Bandō in der Präfektur Tokushima in Japan gebracht werden.
In diesem, im Vergleich zu anderen japanischen Lagern, liberalen Ausnahmelager verbringen die Soldaten die nächsten Jahre unter dem gerechten Lagerführer Toyohisa Matsue, der den Deutschen viele Freiheiten gewährt, wie etwa den Druck einer eigenen Zeitung, das Musizieren und Sport. Als 1918 der Krieg für das Deutsche Reich verloren ist, schwindet bei den Kriegsgefangenen die Hoffnung auf eine Rückkehr in ihre Heimat (die für die meisten erst 1921 erfolgen wird).
Kurt Heinrich, der deutsche Konteradmiral sieht in Selbstmord den einzigen Ausweg. Doch Lagerleiter Matsue überzeugt den gebrochenen Mann davon, dass nur er seine Männer wieder in die Heimat bringen kann. Zur Verabschiedung spielen die ehemaligen deutschen Gefangenen, die sich mit den Japanern im Laufe der Jahre angefreundet hatten, ein Konzert, bei dem erstmals Beethovens 9. Sinfonie auf japanischem Boden aufgeführt wird.
[ via wikipedia ]
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Den deutschen Marinesoldaten und ihren Offizieren ist es durch ihre Fertigkeiten in vielen Bereichen des Handwerks und der Kunst gelungen, Neugierde, Interesse und endlich Sympathie für ihre kulturelle Sache zu wecken.
Beethovens „Symphonie Nr. 9“ wurde 1918 in Japan zum ersten Mal durch das Lagerorchester aufgeführt. Der Austausch zwischen Deutschen und Japanern setzte sich auch nach Schließung des Lagers fort, da sich eine größere Anzahl von Deutschen nach ihrer Entlassung in Japan niederließ.
Man kann davon ausgehen, daß sich bewusste wie unbewusste Dialoge in Originaldokumenten, handwerklichen Erzeugnissen etc. manifestiert haben, denen es aus heutiger Sicht nachzuforschen gilt.
Menschlichkeit, Respekt und Hilfsbereitschaft unter Kriegsgegnern auch in Zeiten höchster Anspannung
- Was ist sichtbar geblieben ?
- Gibt es noch lebendige, von den Gefangenen beeinflußte Zeichen deutsch – japanischer Kultur ?
- Wie ist die Landschaft in und um BANDO beschaffen ?
- Welche Blicke hatten und haben Deutsche auf Japaner in Japan und Japaner auf Deutsche in Japan?
- Wie und wo fand menschliche Nähe zwischen den Protagonisten statt ? (Einige Gefangene wurden dauerhaft in Japan ansässig)
- Wo und wie wurde “Heimat” im Lager hergestellt und wie ist es gelungen diese “Heimat” für Japaner zugänglich zu machen?
Die Ergebnisse der Spurensuche sollen beleuchten, was möglich war und möglich bleibt. Alle Ergebnisse sollen laufend in einen Ausstellungsraum integriert werden und bis zum Abschluß der Spurensuche zu einer Photoinstallation zusammenwachsen. Nach Abschluß der Arbeit wird eine Dokumentation erscheinen.
Werner Schaarmann´s Arbeitshintergrund sind seine Beziehungen als Künstler zu Japan seit 1992 (Stipendien in Sapporo und Kyoto und Ausstellungsprojekte in Japan) und sein Arbeitsschwerpunkt, die künstlerisch-archäologische Spurensuche und Spurensicherung (siehe Kooperationen mit der FU Berlin, der Universität Erlangen- Nürnberg, der Universität Bonn, dem Auswanderermuseum BallinStadt Hamburg).
| Werner Schaarmann | website
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| Virtuelle Ausstellung und Katalog der Bando-Sammlung
| Deutsches Institut für Japanstudien
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Liberal geführtes Gefangenenlager (1917-19) für deutsche und österreich-ungarische Kriegsgefangene während des Ersten Weltkrieges auf Shikoku, der kleinsten der vier Hauptinseln in der heutigen Gemeinde Naruto nahe der Stadt Tokushima.
Naruto ist ein bedeutender Ort in der Geschichte der deutsch-japanischen Beziehungen
Das “Deutsche Haus” besteht seit 1972 und ist dem Gedenken an die ca. 1.000 deutschen Kriegsgefangenen gewidmet, die zwischen 1917 und 1920 im nahen Lager Bando lebten und unter der japanischen Lagerleitung ein reges kulturelles Leben entfalten konnten. So wurde hier z. B. Beethovens Neunte Sinfonie zum ersten Mal in Japan aufgeführt. Auch heute wird die Erinnerung daran hoch gehalten: Diese Sinfonie kennen sicherlich alle Japaner, und an vielen Orten Japans leitet sie das neue Jahr ein. Darüber hinaus ist das Deutsche Haus in Naruto ein Ort des Austausches mit der deutschen Partnerstadt Lüneburg.
Zwar konnte auch Bandō seinen Status als Kriegsgefangenenlager nicht verleugnen, gehörten Morgenappell, japanische Bewachung, Postzensur und eine Lagerordnung, deren Verletzung selbstverständlich geahndet wurde, zum Alltag und die acht Mannschafts und zwei Offiziersbaracken hätten, obwohl manche Gefangene sogar Gardinen und Blumenkästen anbrachten, bei „Unser Dorf soll schöner werden“ nur Außenseiterchancen gehabt. Dennoch gelang es den Bewohnern, dem Lager zunehmend das Flair einer geschäftigen Kleinstadt zu verleihen. Bereits am 18. April 1917, einen Tag nach der „Erstbesiedelung“, wurde damit begonnen, die Hauptwege im Lager zu befestigen; ab Oktober stand auch in begrenztem Maße Strom zur Verfügung, den die Gefangenen allerdings selber bezahlen mussten und der größeren Anforderungen nicht standhielt, so dass das Netz bei Lichtbilder- oder Filmvorführungen mehrfach zusammenbrach.
Im Südwesten des Lagergeländes entstand ein kleines Geschäftsviertel – in Reminiszenz an das gleichnamige Chinesenviertel und den angrenzenden Handels- und Industriebezirk in Tsingtau „Tapatau“ bzw. „Tapautau“ genannt -, in dem Gefangene in Holzbuden, ebenso wie an anderen Stellen im Lager, ihren Kameraden Lebens- und Genussmittel, handwerkliche Produkte und Dienstleistungen anboten. Sehr bald blühte der Handel mit Kaffee, Zigaretten, Tabak und Bier, und schließlich konnte man sich z.B. auch im Fotostudio ablichten lassen, ein Brausebad oder eine Massage gönnen, Kegeln oder Billard spielen gehen, den Dienst der Lagerdichterei „Pösie“ oder den Wäscheservice in Anspruch nehmen, sich bei einem der Apotheker bzw. Chemiker mit Medikamenten gegen Würmer oder Bronchitis, mit Kosmetika und selbstgebrannten Spirituosen versorgen, die so wohlklingende Namen trugen wie „Hoher Norden“ oder „Bando-Boonekamp“.
Wer wollte, konnte den kleinen botanischen Garten im Lager besuchen, im „Stadtpark“ lustwandeln, auf einem der beiden Lagerseen Segeln oder Rudern, sich in einer selbstgebauten selbstgebauten Laube im sog. „Villenviertel“ auf den Lagerhügeln erholen oder in einem der Bücher aus der am Ende mehr als 6.000 Bände umfassenden Bibliothek schmökern.
ALL dies zeigt, dass Oberst Matsue, der als Kommandant des Vorgängerlagers Tokushima bereits Erfahrungen im Umgang mit den Gefangenen hatte sammeln können, seinen Schützlingen viel Freiheit gewährte. Auch gestand er ihnen eine gewisse Selbstverwaltung zu, so dass manches rasch intern geregelt werden konnte. Es gab Barackenälteste, Unteroffiziere übernahmen organisatorische Aufgaben, Ausschüsse koordinierten Sport und Theateraktivitäten, und Interessensgruppen wie die Hühner- und Entenzüchter fanden sich in Vereinen zusammen, deren Vorsitzende im Problemfall als Ansprechpartner fungierten. Für Tapatau wurde bereits 1917 ein Bürgermeister ernannt, und 1918 erhielten die beiden Lagerteile Bandō-Ost und Bandō-West demokratisch gewählte Oberhäupter.
Ab 2. April 1918 gab es sogar spezielles Lagergeld, dessen Gegenwert in offizieller Währung im Büro hinterlegt war, und am 25. August 1918 startete ein lagerinterner Postzustellservice, für den zwei eigene Briefmarken gedruckt wurden. Matsue ging es offensichtlich nicht nur darum, das Zusammenleben möglichst reibungslos zu gestalten; er wollte auch, dass sich die Gefangenen, für deren missliche Lage er Verständnis aufbrachte, im Lager wohl fühlten und die Zeit der Internierung ohne schwere physische und psychische Schäden überstanden.
LEICHT könnte der Eindruck entstehen, es habe sich angesichts der vielen Freiheiten und
Beschäftigungsmöglichkeiten in Bandō um eine Art Feriencamp gehandelt. Auch der ironische Titel »Fremdenführer durch das Kriegsgefangenenlager Bando«, ein Heft für die im August 1918 aus Kurume kommenden Neuzugänge, scheint dies zu suggerieren. Doch darf nicht vergessen werden, dass die Männer über Jahre zur Untätigkeit verdammt waren, während in Europa der Krieg tobte und sie aus der Ferne hilflos um ihre Angehörigen und Freunde bangen mussten. Viele der Internierten waren in einem Alter, in dem man sich normalerweise beruflich etabliert und eine Familie gründet, was ihnen notgedrungen über fünf Jahre verwehrt blieb. Angesichts dessen erfüllt es mit Hoffnung, dass der Kontakt zwischen Kriegsgegnern im Einzelfall doch zum Ausgangspunkt freundschaftlicher Beziehungen werden können, zumal damals längst nicht alle Deutschen in die Heimat zurückkehrten.
Manche blieben dauerhaft in Japan, andere fühlten sich Japan auch von der Heimat aus weiterhin eng verbunden und stellten über ein halbes Jahrhundert später, als 1972 das „Deutsche Haus Naruto“ in der Nähe des einstigen Lagers Bandō eröffnet wurde, dem Museum bereitwillig Erinnerungsstücke aus ihrer Lagerzeit zur Verfügung, die sie offensichtlich fünf Jahrzehnte lang aufbewahrt hatten.
Auch die 1974 vereinbarte Städtepartnerschaft zwischen Naruto (in das Bandō 1967 eingemeindet wurde) und Lüneburg geht auf einst in Bandō internierte Kriegsgefangene aus Lüneburg zurück. Und so möchte ich schließen mit einem Zitat aus der »Baracke«:
„Überhaupt werden die angenehmen Erinnerungen an die Gefangenschaft meistens mit Bando […] verknüpft sein.“
[ via Japan Forum / August 2007 | pdf ]
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