URS LÜTHI | Sammlung Falckenberg

21. Mai 2009 | Von | Kategorie: Allgemein, Archiv, VORSCHAU

Harburg | FR 29 MAI 09 | 18 – 21 Uhr | Eröffnung der bisher größten und umfassendsten Präsentation des künstlerischen Werkes von Urs Lüthi in Deutschland | Phoenix-Hallen bis 28.9.2009

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Art Is The Better Life

Die retrospektive Ausstellung umfasst nicht nur die wichtigsten Einzelwerke wie etwa die fotografischen Selbstporträts und die verschiedenen, von Lüthi in „Ordnungen“ vereinten Werkgruppen, sondern stellt auch das Frühwerk ab Mitte der 1960er Jahre sowie die neusten Arbeiten vor.

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Lüthi hat seine Person und seine Biografie unmittelbar und bildgewaltig in seine Werke integriert. Im Rückblick wird seine Faszination für die Vielfalt der Medien und sein künstlerischer Wille, in unterschiedlichen Gattungen Werke von fast klassischer Wirkung zu schaffen, deutlich. Einzelne Themen und Aspekte greift er immer wieder auf, kombiniert sie neu und erweitert sie durch neue Bildfindungen, was die Öffentlichkeit vorerst stets überraschte. So staunte man etwa zu Beginn der 1980er Jahre, als Lüthi scheinbar unvermittelt zu malen begann, denn bekannt geworden war er mit Fotografien, die heute zu den Ikonen der Kunst der 1970er Jahre zählen. Vergessen gegangen war, dass Lüthi 1966 bereits als 19-Jähriger in Bern eine Einzelausstellung mit großformatigen Gemälden bestritten und mit diesen in der Kunstszene große Aufmerksamkeit erlangt hatte.

Heute erkennen wir in Urs Lüthi den großen Ästheten, der seine Bildaussagen, so hochtrabend oder ironisch sie auch daherkommen mögen, stets mit einer Begeisterung für das künstlerische Handwerk verbindet. Lüthi ist ebenso ein begnadeter Zeichner, Drucker, Maler und Bildhauer wie Erzähler und Inszenator von großen Geschichten und kleinen Gefühlen. Diese Dialektik von Form und Inhalt, die den Betrachter und die Betrachterin zu einer ästhetischen wie intellektuellen Erfahrung führt, prägt sein ganzes OEuvre.

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Die ambitionierte Ausstellung wurde vom Kunstmuseum Luzern konzipiert und bereits vom 7.2. – 10.5.2009 in der Schweiz gezeigt | www.kunstmuseumluzern.ch

VIDEO | Anlässlich der Luzerner Vernissage vom 6.2.2009 zur Ausstellung “Art is the better life” mit Werken von Urs Lüthi hat der Kurator Christoph Lichtin eine kurze Einführung gegeben.

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Das Ausstellungskonzept wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entwickelt. Dieser Umstand soll auch zum Ausdruck bringen, welch fundamentale Bedeutung die Ausstellungsgestaltung als Teil seines Schaffens einnimmt. Bereits 1966 arbeitete Lüthi installativ, inszenierte seine Kunst im Sinne einer dialektischen Erfahrungsgestaltung. Die Luzerner Ausstellung folgte keiner Chronologie sondern machte die großen thematischen Linien innerhalb des Gesamtwerks deutlich, indem Räume mit Exponaten aus verschiedenen Werkphasen eingerichtet wurden. Zu den prominenten Leihgebern zählen neben mehreren Schweizer Institutionen das Lenbach Haus in München, das Kunstmuseum Stuttgart sowie das Centre Pompidou in Paris. Deren erst jüngst erfolgte Ankäufe machen deutlich, dass Lüthis Werk einen festen Platz im Kanon der zeitgenössischen Kunst eingenommen hat.

URS LÜTHI | Art Is The Better Life
Sammlung Falckenberg, Hamburg (Phoenix-Hallen Hamburg / Harburg)
29. Mai bis 28. September 2009

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katalog-2KATALOG | Urs Lüthi. Art is the better life
(Gebundene Ausgabe)

Außergewöhnlich ist die zur Luzerner/Hamburger Ausstellung erschienene, über 1800 Seiten starke Publikation. Sie enthält eine große Zahl dokumentarischer Fotos zum Teil auch weniger bekannter Werke, viele Zeitzeugnisse aus Lüthis bisherigem Schaffen und erläuternde Texte.

| Edizioni Periferia, 2009,
| 100 x 148 mm,
| 1824 Seiten,
| 500 Abbildungen
,
| Dünndruckpapier mit Goldschnitt,
| Konzept: Urs Lüthi
| Gestaltung: Urs Lüthi, Camillo Paravicini

.

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Das Buch dokumentiert Lüthis Werk der letzten 40 Jahre mit seiner bemerkenswerten Ausstellungsgeschichte. Zum Beispiel «Visualisierte Denkprozesse» (1970) und «Transformer» (1974), kuratiert von Jean-Christophe Ammann, über die Biennale in Venedig (2001) bis zu den Werkschauen im Kunstmuseum Luzern und der Sammlung Falckenberg, Hamburg (2009).

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Urs Lüthi

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Der heute in München lebende Urs Lüthi (geb. 1947 in Kriens) zählt zu den bedeutendsten Schweizer Künstlern der Gegenwart.

“Ich registriere die Sünden der Welt, die ästhetischen. Dann gehe ich nach Hause und mache daraus etwas Schönes. Damit man nicht immer darunter leiden muss.”

Unter den vielen Gruppenausstellungen sind hervorzuheben: 1970 Visualisierte Denkprozesse, Kunstmuseum Luzern; 1974 Transformer, Kunstmuseum Luzern; 1977 Documenta 6, Kassel, und 1981 Westkunst, Köln. Einzelausstellungen: 1970 Bern, Galerie Toni Gerber, 1974 Paris, Galerie Stadler, 1978 Essen, Museum Folkwang, 1986 Kunstmuseum Winterthur und schliesslich die Retrospektive 1993 im Bonner Kunstverein und vier weiteren Stationen in Deutschland. 1996 erhält Urs Lüthi für sein Gesamtwerk den Ehrenpreis des Kantons Zürich zugesprochen.

In den 1970er Jahren zählt der 1947 geborene Luzerner zu den Vertretern der “‘Transformer”. Die Vertreter dieser Richtung unterziehen ihren eigenen Körper Wandlungen mit der Absicht, gesellschaftliche sowie geschlechtsspezifische Rollenklischees zu beleuchten.

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Obwohl sich die Fotografie damals noch nicht als gehobene Kunstform etabliert hatte, wählt Urs Lüthi für seine frühen, ironisch inszenierten Selbstporträts meist das lebensgroße, auf Leinwand reproduzierte Foto. Ende der 1970 weicht die Ästhetik der Schwarzweißfotografie sukzessive der Farbfotografie, die nun das Banale, Alltägliche der dargestellten Personen und Objekte in den Mittelpunkt der Betrachtung zieht.

Die 1980er Jahre stehen ganz unter dem Zeichen einer konzeptuellen, fast ausschließlich in Serien gefassten Malerei unterschiedlicher Stile.

Lüthis Werke der 1990er Jahre bis in die jüngste Gegenwart widmen sich dem Thema Werbung und ihren ästhetischen Strategien. Es entstehen Arbeiten in den unterschiedlichen Medien, die mit der Hochglanzästhetik der Werbung einhergehende Veränderungen des Individuums hinterfragen. Seit 1994 gehört Urs Lüthi dem Lehrstuhl der Kunsthochschule Kassel an. Er lebt und arbeitet vorwiegend in München.

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2001 zur 49. Biennale in Venedig | Urs Lüthi im Schweizer Pavillon

2001 zur 49. Biennale in Venedig zeigte Urs Lüthi im Schweizer Pavillon hintersinnige Arbeiten aus der Serie der «Placebos & Surrogates», die mehrteilige Video Installation «Run for your Life» und die Skulptur «Low Action Games II». Ähnlich einem barocken Motto hieß die übergeordnete Losung des Pavillons «Art for a better life», zu der die Farbe Türkis einen geradezu ‘himmlischen‘ Kontext stiftete. Mit den «Trademarks und Therapies for Venezia» wurde in ironischer Weise die Sehnsucht und kollektive Glückserwartung des Betrachters und seine Suche nach dem Sinn stiftenden Kunst-Paradies thematisiert, um ihn letztlich dem Absurdum seiner Wünsche zu überlassen.

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Hausmann, Engel, Vamp und Clown

NZZ – Hans-Joachim Müller ( zur Luzerner Ausstellung 2009 )  Artikel lesen

Der aus Kriens stammende Künstler Urs Lüthi hat nur ein Thema: sich selbst.

Wie nennt man einen, der immerzu in die Kamera lächelt, grinst, träumt, trauert, sinnt, weint, blödelt, sich zeigt, sich ausstellt, sich gefällt und dasteht, barhäuptig, mit geschwollenen Problemzonen im Hüft- und Bauchbereich, einen Strauss Rosen in der Linken, einen Müllsack in der Rechten, und einfach nicht loskommt von der Kamera? Die Mythologen erkennen vielleicht den selbstverliebten Geliebten der Nymphe Echo. Die Psychologen den narzisstischen Persönlichkeitstypus. Wenn einer «Künstler» sagte, hätte er auch nicht Unrecht.

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… aufs Ganze gesehen erweist sich diese Bildarbeit als ungemein ergiebiges Nachdenken über die kulturellen Codes, über Schönheitsklischees und Geschlechterzuordnungen, über die Rhetorik der Medien und die Versprechen der Werbung, über die Glückswährung, die überall in der globalisierten Welt zur Stützung des guten Selbstgefühls gilt.

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Sammlung Falckenberg | Wilstorfer Straße 71 | Phoenix-Hallen / Hamburg-Harburg

21073 Hamburg, Deutschland

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