10° Kunst | Harburger Berge
30. September 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Archiv, Journal, VORSCHAU
Sechs Projekte internationaler Künstlerinnen, Künstler und Künstlergruppen im Harburger Innenstadtbereich mit: Julia Bünnagel (D), Matthias Einhoff (D), Ivan Moudov (BUL), Olaf Nicolai (D), Tatzu Nishi (JAP), ZimmerFrei (IT)
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Das Konzept eignet sich gut, im jährlichen Rhythmus wiederholt zu werden, um mit Fokus auf interessante Themen ( wie z.B. 9-11 / internationaler Terrorismus / ECO – Architektur ) zukünftig auch überregionales Interesse zu generieren.
Im Zusammenspiel mit den Phoenix-Hallen / Sammlung Falckenberg / Deichtorhallen könnte sich Harburg ( Hamburger Süden ) so zum Referenzplayer zeitgenössischer Kunst entwickeln – mit all den angenehmen strukturfördernden Effekten.
Hier wäre ein Masterplan ALLER regionalen kulturellen Institutionen wünschenswert, der in einer kreativen Eruption im IBA / IGS Hamburg – Jahr 2013 ( Internationale Bauausstellung / Gartenbauausstellung Hamburg -Wilhelmsburg ) seinen vorläufigen Höhepunkt fände.
Beispiel Skulptur Projekte Münster: Diese internationale Großausstellung lädt seit 1977 im zehnjährigen Rhythmus Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt ein, ihre Werke in der Stadt entstehen zu lassen. Münster ist so zu einer internationalen Referenzadresse für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Außenraum geworden.
www.skulptur-projekte.de/information
10° Kunst | Harburger Berge
Im Oktober wird Harburg ( Hamburger Süden ) für drei Wochen Austragungsort von sechs temporären Kunstprojekten im öffentlichen Raum ( Harburger Innenstadtbereich, vom Harburger Bahnhof über die Einkaufspassage »Lüneburger Straße« bis zur S-Bahn-Station »Harburg Rathaus ). Internationale KünstlerInnen sind eingeladen, direkt für den Hamburger Stadtteil Arbeiten zu entwickeln.
Eröffnung: SA 10 OKT 09 um 14 Uhr: Harburger Rathaus | 17 Uhr: Performance ZimmerFrei im Kunstverein Harburger Bahnhof
- Öffnungszeiten Projektstandorte: 15 bis 19 Uhr
- Ausstellungsdauer: 11 OKT – 01 NOV 09
- Öffnungszeiten Info-Cafe im Kunstverein Harburger Bahnhof:
Mi. bis So., 14 bis 18 Uhr
Kuratoren: Britta Peters & Tim Voss
- Öffentliche Führungen/Stadtspaziergänge:
jeden Sonntag, 15 Uhr ab Kunstverein Harburger Bahnhof
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Julia Bünnagel, geboren 1977, lebt in Köln.
Die Kölner Künstlerin Julia Bünnagel, deren bildhauerische Arbeit seit Jahren in mehr oder weniger abstrakter Form um das Thema Urbanität kreist, folgte dem Vorschlag des Kunstvereins, eine Installation für den größten Zivilschutzraum Hamburgs in der S-Bahn Station Harburg Rathaus zu entwickeln. Mit ihrem Projekt »All Those Tomorrows« verwandelt sie den Schutzraum in eine Goldgrube.
Studium von 1998 bis 2006 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Anthony Cragg und 2006 Meisterschülerin bei Prof. Hubert Kiecol.
Sie setzt sich in Ihren Arbeiten mit den Themen Urbanisierung, Architektur, Städtebau sowie Stadtentwicklung auseinander. Die Künstlerin verweist nie explizit, aber doch spürbar auf die modularen Stadtutopien eines Le Corbusier, Oscar Niemeyer und anderer Architekten sowie Science fiktionale Stadtkulissen wie aus „Blade Runner” oder „Das fünfte Element”.
So verknüpft die auf der openspace 2009, Köln gezeigte Soundskulptur „Walk the Line” (2008, ca. 140 x 200 x 37 cm) die Urbanität bei Nacht mit ihrer hörbaren Komponente vorbeiziehender, wiederkehrender, eintöniger Geräusche. Die Arbeit besteht aus drei in Reihe angeordneten schwarzen Türmen: auf dem mittleren, erhöhten Gebäude steht ein Schallplattenspieler, dessen Nadel über eine urbane Landschaft gleitet. Dazu hat Bünnagel Schallplattenfragmente zu tektonischen Ebenen aufgeschichtet und mit schwarzem Lack überzogen. Über die beiden Boxentürme links und rechts ertönt so eine urbane Soundscape.
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TATZU NISHI, geb. 1960 in Nagoya, Japan, lebt und arbeitet in Köln.
Direkt am Harburger Rathaus, befindet sich die Arbeit von Tatzu Nishi, der durch einen geschickten Eingriff an der Fassade die Dimensionen von öffentlicher Repräsentation und privatem Blick, von Innen und Außen spektakulär durcheinanderwirbelt.
Seit 1987 arbeitet Tatzu Nishi alias Tazro Nishino alias Tatsurou Bashi (*1960 in Nagoya/Japan) in Köln. Seine Installationen sind stets “site specific” und nutzen öffentliches Inventar wie zum Beispiel Straßenlaternen, Denkmäler oder einen Wetterhahn, wie am Basler Münster geschehen. Mit zum Teil enormem Aufwand errichtet der Künstler mit Hilfe von Containern begehbare, völlig authentisch wirkende Wohnzimmer-, Küchen- oder Hotelzimmerarchitekturen – mitunter in Schwindel erregenden Höhen – um das jeweilige Objekt herum. Die rekontextualisierende Manipulation zitiert und ironisiert architektonische Wirklichkeiten und erzeugt so durchaus typische Raumgefühle ohne den gewohnten Wahrnehmungszusammenhang. [ via Skulpturenpark Köln ]
“Für mich erlangt Kunst ihre Existenzberechtigung dadurch, dass sie den gewöhnlichen Dingen des Alltags einen anderen, bzw. neuen Aspekt hinzufügt. Man reagiert auf meine Arbeit offen, direkt und rücksichtslos, weil man nicht weiß, was meine Installation, ob meine Installationen Kunst sind. Denn auf den ersten Blick lassen sie sich nicht als Kunstwerke identifizieren. Durch diese direkte Reaktion schleicht sich meine Arbeit in das Leben und den Alltag der Leute ein.”, so beschreibt Tatzu Nishi die Reaktion des Publikums auf seine Arbeiten. [ via Tatort Paderborn ]
Der Japaner Tatzu Nishi möchte erreichen, dass wir unsere Städte mit neuen Augen sehen, und kidnappt deshalb urbanes Allgemeingut. Seine Lieblingsopfer sind Statuen oder Denkmäler, die er ummauert, also aus dem öffentlichen Raum entfernt, und sie so zum Bestandteil eines Wohnraums macht. Seit 1997 entstehen so Räume mit einem besonderen Inhalt.
Als Tatzu Nishi 2007 bei der Kunstbiennale “Estuaire” in Nantes seine Arbeit beginnt, glauben die Spaziergänger zunächst, dass der Brunnen der Place Royale im Herzen der Stadt renoviert werden soll. Doch bald merken sie, dass um ihn herum eine 130 m² große Viersterne-Suite entstanden ist, in der man für 60 Euro übernachten kann.
Tatzu Nishi: “Meine bekanntesten Werke sind die, bei denen ich einen neuen Lebensraum für Monumente erzeuge. Ich erweitere das Bestehende und erschaffe vorübergehend um normalerweise unzugängliche Denkmäler und Skulpturen einen Wohnraum. Mir gefällt der Gedanke, öffentlichen Raum zur Privatsphäre zu machen, die gleichzeitig wiederum öffentlich ist, da man alles besichtigen kann.” [ via arte.TV ]
AUSSTELLUNGEN (Auswahl): 2007 Tatort Paderborn, Estuaire Festival, Nantes; MAM Project 006, Mori Art Museum, Tokio; 2006 Chéri in the Sky, Maison Hermes 8F Forum, Tokio; 2005 Gott erscheint am Kopfkissen and Speak of the devil, Cabinet 3 Stedeljik Museum voor Actuele Kunst, Gent; 2004 Moon Rider, Dublin City Council, Dublin; Interventionen, Sprengel Museum Hannover. 2005-06 Projekt Migration, Kölnischer Kunstverein; 2004 Bienal Internacional de Arte Contemporaneo de Sevilla; 2002 Liverpool Biennial.
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Olaf Nicolai, geboren 1962 in Halle/Saale. Lebt und arbeitet in Berlin.
de.wikipedia.org/wiki/Olaf_Nicolai
www.eigen-art.com/Kuenstlerseiten/KuenstlerseiteON/index_ON_DEBiographie.html
Die künstlerischen Eingriffe wollen den Blick schärfen für die Besonderheiten vor Ort und setzen sich konkret und exemplarisch mit der Harburger Situation auseinander. Eine Wanderung der besonderen Art nimmt dabei die Arbeit von Olaf Nicolai vorweg, der in Harburg sein bereits in vielen internationalen Städten realisiertes Projekt »How to Produce a Site-specific Work Anywhere« fortsetzt: Er publiziert ein »Tagebuch«, das auf Fotos und Texten basiert, die ein anonymer Doppelgänger an seiner Stelle gesammelt hat. Das Ergebnis ist ein subjektiver Reisebericht, von Olaf Nicolai aus der Distanz einer weiteren Bearbeitungsstufe unterzogen, der an nahezu allen Harburger Kiosken für 4 Euro zu erwerben ist.
„Die Produktion von Kultur”, so zitiert Olaf Nicolai nach Le Monde diplomatique den amerikanischen Soziologen Jeremy Rifkin, „ist die letzte Stufe des Kapitalismus, dessen wesentliche Triebkraft es von jeher war, immer mehr menschliche Aktivitäten für das Wirtschaftsleben zu vereinnahmen.”
Studierte Literatur- und Sprachwissenschaft in Leipzig, Wien und Budapest und promovierte 1992 mit einer Arbeit über die “Wiener Gruppe”. Daneben legte er 1988 ein Diplom an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg ab. Seine künstlerischen Arbeiten und Projekte wurden in zahlreichen internationalen Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen gezeigt. Zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Er wird von der renommierten Galerie eigen & art vertreten.
Instructions how to produce a site specific work anywhere | seit 2001
Die Serie der Tagebücher, die im Rahmen der Instructions how to produce a site specific work anywhere als fortlaufendes Projekt entstehen, wurde mit den Publikationen zu Wien (2004), Varna (2005) und München (2005) fortgesetzt. Bei der Umsetzung der Instructions casten die Kuratoren einen Doppelgänger des Künstlers und organisieren für diesen einen mehrtägigen Aufenthalt am Ort des Projekts. Die ausgewählte Person führt einTagebuch, aus dessen Material danach ein Tagebuch des Künstlers gestaltet wird. Die Bücher erscheinen in der jeweiligen Landessprache.

Tagebuch (Wien)
20-seitiger Stadtplan mit Faltung, vierfarbiger Druck, 14,8 ·10,5 cm, Auflage: 500,Wien, 2004
Performative Installation, Siemens Arts Program in Kooperation mit der Galerie im Taxispalais/ Innsbruck, dem Museum Ludwig/ Köln, dem Museum der Gegenwartskunst Siegen, der Secession/ Wien und der Galerie für Zeitgenössiche Kunst Leipzig
Es blieb dem Künstler selbst verborgen, ob an seiner Stelle ein Mann oder eine Frau, ein anderer Künstler oder ein Schauspieler, ein Berufstätiger oder ein Arbeitsloser unterwegs war. Nicolai ist nie seinem Stellvertreter begegnet und hat nie erfahren, welche Instruktionen im Einzelnen gegeben wurden.
»How to Produce a Site Specific Work Anywhere« knüpft an die Tradition konzeptueller Kunst an und stellt am Beispiel einer ortsspezifischen Arbeit die Begriffe Werk und Autor neu zur Diskussion. Diese geraten aus dem Gleichgewicht, sie werden ambivalent und fließend.
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ZimmerFrei [ Anna de Manincor (1972), Anna Rispoli (1974) e Massimo Carozzi (1967) ]
In den Räumen des Kunstverein Harburger Bahnhof selbst befindet sich die Videoprojektion des am Harburger Hafen und in der Harburger Seevepassage gedrehten Panoramafilms der italienischen Gruppe ZimmerFrei, der auf sehr eigene und poetische Weise dokumentarische mit inszenierten Bildern verbindet.
Künstlerkollektiv, dessen komplexe Tätigkeit an der Schnittstelle von Kino, Theater, Musik und Performance angesiedelt ist. Durch das Verschmelzen formaler Sprachen, schafft das Kollektiv kaleidoskopische, akustische und visuelle Arbeiten, die reale und imaginäre urbane Umgebungen dort untersuchen, wo das Mentale und Physische in einer gemeinsamen Erzählung menschlicher Erfahrung verschmelzen.
www.zimmerfrei.co.it/ZimmerFrei/ZimmerFrei.html
ZimmerFrei is a group of artists founded in 2000 and based in Bologna (I) and Brussels.
The group works on the crossing area of visual arts and performance, between public spaces and private territories, using a wide range of media and formats including video and sound installation, short movie, photography, performance.
Its projects are often created with cooperative methods and with the engagement of a network of people. In 2008 ZimmerFrei has been invited to the art biennial Manifesta7 in Rovereto (I). In the same year it won a residency program at ISCP (International Studio & Curatorial Program) New York. In 2005 EXTRA 51 produced Panorama_Venezia for the 51th Art Biennial of Venice.
VIDEO | Panorama Roma – Notte
Piazza del Popolo in Rome has been chosen for his imperfect symmetry and as a pedestrian junction of employees, clerks, tourists, and priests. In this naturally elliptic set the camera completes a 360° round in 60 minutes. This video tries to find an extra-ordinary flux of time: the shootings have been compressed 20 times to obtain a length of 24 minutes. Among unaware passer-bys, the camera discovers little by little strange narcoleptic beings who live, watch, and sleep in the architecture and launch encoded signals. Performers act in a parallel temporal landscape in the condition of permanence. This flux is filled by visions and omens: other possible lives appear.
CONCEPT ZimmerFrei
PRODUCTION Monitor video&contemporary art
SCREENPLAY Anna Rispoli
EDITING Anna de Manincor
SOUND Massimo Carozzi
PHOTOGRAPHY Francesco Raganato
MUSIC ZimmerFrei:
Turntables, Analog Sinthesyzers Massimo Carozzi
Electric guitar, Double bass, Electronics Stefano Pilia
Vibes, Upright piano Nicola Zonca
Voice, Foley Anna de Manincor Anna Rispoli Massimo Carozzi
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Matthias Einhoff
Ebenfalls in einem Film, gezeigt in einem Ladenlokal auf der Lüneburger Straße, materialisiert sich das Projekt des in Berlin ansässigen Künstlers Matthias Einhoff, eine Zeremonie, die sich hier im Format eines sportlichen Großereignisses medial aufbereitet findet, von ihm gemeinsam mit zehn sehr unterschiedlichen Harburger Vereinen entwickelt.
Künstler und Lehrbeauftragter an der Universität der Künste Berlin. Zusammen mit vier weiteren Künstlern gründete er den “Skulpturenpark Berlin_Zentrum”, dessen Ausstellungstätigkeiten im November 2006 begannen und mit dem er 2008 an der “5. berlin biennale” teilnahm. Der Begriff der Skulptur wird als Prozess verstanden, der soziale, historische, gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar werden lässt bzw. neu verhandelt.
In der letzten Ausstellung der Serie „Landreform” stellte bis zum 1. April 2009 Matthias Einhoff sein Projekt auf dem Gelände des Skulpturenparks Berlin-Mitte vor. Im Mittelpunkt von Celebration (Berlin) von Matthias Einhoff standen ein Fahnenpark und eine Tribüne, auf der an einem Sonntag eine Zeremonie von verschiedensten an innerstädtischen Freiflächen interessierten Vereinen, Organisationen und Interessengruppen stattfand: unter Beihilfe von Windmaschinen wurden Fahnen gehisst, Fanfaren wurden gespielt und Kurzchoreographien aufgeführt. In Anleihe an von Mondlandungen und olympischen Eröffnungsfeiern bekannten Spektakeln zelebrierten Gemeinschaftsgärten, Hundevereine, BMX-Clubs, Künstlergruppen, urbane Kleinstlandwirtschaftvereinigungen u.v.m. gemeinsam ihre Tätigkeiten, verschafften sich Sichtbarkeit und demonstrierten ihren Bedarf an unbebauter Freifläche.
Mit aufwendigen Kamerafahrten, die üblicherweise großen Repräsentationsfeierlichkeiten vorenthalten sind, wurde die Zeremonie filmisch dokumentiert. Die meist als alternativ bezeichneten Tätigkeiten der Vereine bezogen sich auf innerstädtische Felder, in denen bauliche Leere herrscht und die für das gängige Schema der Kommunikationsregeln kaum mediale Attraktivität besitzen. Mit der Installation Celebration (Berlin) wurde diese Repräsentationslücke vorübergehend geschlossen.
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Ivan Moudov (*1975 in Sofia/Bulgarien)
Im weiteren Sinne ist auch die Arbeit des bulgarischen Künstlers Ivan Moudov durch sein Interesse an institutionellen Strukturen und nationaler Repräsentation bestimmt. Am 10. Oktober 2009 eröffnet im “Bulgarian Institute of Culture” in Hamburg die “Ausstellung MUSIZ COLLECTION”, die erstmalig Werke aus der Sammlung des imaginären Museums für zeitgenössische Kunst in Sofia (MUSIZ) zeigt. Die “Ausstellung” wird bis zum 1. November im eigens dafür renovierten Gebäude des Instituts am »Lüneburger Tor« zu sehen sein.
MUSIZ Collection
Fiona Banner, Kathi Barath, Sue de Beer, Jimmie Durham, Valie Export, Martin Kippenberger, Gunter Reski, Anri Sala
Bluff als Kunstaktion – Eines seiner Langzeitprojekte ist das nicht existierende „Bulgarische Museum der Zeitgenössischen Kunst“.
Für das imaginäre „Museum for Contemporary Art, Sofia“ (MUSIZ) lancierte Moudov eine Medienkampagne für den 25. April 2005 im Gebäude eines alten Bahnhofs, mit einer Soloshow des wichtigsten Emigranten Hristo Yavashev, besser bekannt in der Kunstwelt als Christo.
Neben der Kunstszene versammelten sich alle wichtigen Politiker, Botschafter, Medienleute an der angegebenen Adresse zum vorgesehenen Zeitpunkt, um am großen Ereignis teilzuhaben.
Das Medienecho war spektakulär, und die Überzeugung für die Notwendigkeit des MUSIZ ebenfalls.
www.bic-hamburg.de/index.php?cont=0&lang=DE
Moudov studierte am Institut für Wandmalerei an der Nationalen Kunstakademie Sofia (MA 2002), bespielte mit der Einzelausstellung TRICK OR TREAT Anfang 2009 den Kunstverein Braunschweig.
In den letzten Jahren war Moudov an verschiedenen internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen beteiligt: Moderna Museet, Stockholm (2008), 52ste Biennale von Venedig (2007), 1st Moscow Biennial of Contemporary Art, Moskau (2005), In den Schluchten des Balkans, Fridericianum, Kassel (2003) oder Manifesta 4, Frankfurt a.M. (2002).
In seinen Performances, Installationen, Fotos und Videos beschäftigt sich Ivan Moudov mit sozialen und kulturellen Strukturen und Kommunikationspraktiken. Bekannt wurde er durch Aktionen, die den Betrachter direkt einbeziehen: Im Rahmen seiner Performance Traffic Control (seit 2001) regelte Moudov als bulgarischer Polizist verkleidet in verschiedenen europäischen Städten den Verkehr und dokumentierte die je nach kulturellem Kontext unterschiedlichen Reaktionen der Autofahrer und Behörden in Videos. Wild gestikulierend, aber durch seine Uniform mit kyrillischer Aufschrift „Policija” mit zweifelhafter Macht ausgestattet, unterlief Moudov augenzwinkernd unsere Autoritätsgläubigkeit. In One hour priority ließ er mit einer zirkulierenden Autokolonne einen Kreisverkehr blockieren, bis die Aktion von couragierten Autofahrern und der Polizei gestoppt wurde. Letztlich zielen Moudovs Aktionen darauf, absurde Situationen in unserem alltäglichsten urbanen Umfeld und dessen Organisationsstruktur aufzuspüren.
Doch Ivan Moudov hinterfragt durch seine Provokationen, die er mit seinen Interventionen hervorruft, auch die Mechanismen der Kunstszene und seine eigene Identität als Künstler. In seinem prozessualen Projekt Fragments (seit 2002) betreibt er eine zeitgenössische Archäologie: Gezielt entwendet er in den Museen der Welt kleine Elemente aus Installationen berühmter Kollegen, wie ein Dia von Douglas Gordon oder eine Eierschale von Marcel Broodthaers. Die Diebesgüter werden katalogisiert und in einem Koffer, ähnlich dem Duchamp’schen „Boîte en valise”, auf Sockeln präsentiert. Der Raum der Kunst selbst wird Ort der Tat, das gestohlene Fragment zur Reliquie und gleichermaßen zum Tatbeweis. Eine Appropriation der anderen Art, doch neben der subtilen Institutions- und Repräsentationskritik verweist diese „Piratensammlung” zugleich auf Moudovs Rolle als Künstler in Bulgarien, einem Land, das bislang noch über kein Museum für zeitgenössische Kunst verfügt.
[ via Kunstverein Braunschweig ]
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Harburg | Die Stadt in der Hansestadt
Harburg verfügt über alle Merkmale einer unabhängigen Kreisstadt mit eigenen Strukturen und einer sich daraus ableitenden eigenen Identität. In einem äußerst verschiedenartigen Stadtbild bildet sich ein große Anzahl unterschiedlicher sozialer Milieus ab. Die Stadt- und Bezirksgeschichte ist geprägt durch den Hafen und die Funktion des Ortes als Zollumschlagplatz und früher Industriestandort. Neben Braunschweig wäre Harburg die zweitgrößte Stadt Niedersachsens, wird aber aufgrund der Nähe zu Hamburg und spätestens seit der Eingemeindung durch das Großhamburg-Gesetz von 1937 nicht als solche wahrgenommen. Vom auf der anderen Elbseite gelegenen Stadtzentrum aus scheint Harburg in vieler Hinsicht lediglich ein weiteres vorstädtisches Anhängsel zu sein, während sich umgekehrt die Harburger im kulturellen und politischen Gesamtbild der Stadt nur mangelhaft vertreten fühlen.
Ohne den genannten Konflikt direkt zu thematisieren, möchte das Kunstprojekt »Harburger Berge« den Stadtteil im Hinblick auf diese Differenz in der Außen- und Innenwahrnehmung befragen.
Ein Blick zurück
1928 schlossen Hamburg und Preußen einen Staatsvertrag über die Kooperation ihrer Elbhäfen. Es gab ein ausgeprägtes Konkurrenzverhältnis zwischen dem Hamburger Hafen und den beiden preußischen Häfen Altona und Harburg. Am Verhandlungstisch saßen auch deren Oberbürgermeister, die beiden Sozialdemokraten Max Brauer und Walter Dudek.
Walter Dudek (* 11. Oktober 1890 in Altenburg; † 1. Dezember 1976 in Hamburg) war ein deutscher Politiker (SPD) und promovierter Jurist. Er war von 1925 bis 1933 letzter demokratisch gewählter Oberbürgermeister der Stadt Harburg (Elbe). Von den Nazis entlassen. Später Oberbürgermeister von Harburg-Wilhelmsburg und von 1946 bis 1953 Senator in Hamburg. Dudek war maßgeblich am Zustandekommen der Fusion der ehemals eigenständigen Städte Wilhelmsburg und Harburg (Elbe) beteiligt.
Er setzte nach dem 1 Weltkrieg durch, dass mit Hilfe von Beschäftigungsprogrammen die „Notstandsarbeiter” in wirtschaftlich äußerst schwierigen Zeiten bedeutende städtische Baumaßnahmen durchführten. Dazu gehörten der Harburger Stadtpark, das heutige Friedrich-Ebert-Gymnasium mit der Stadthalle (Friedrich-Ebert-Halle), die Stadtbücherei, eine Badeanstalt und die Feuerwache.
de.wikipedia.org/wiki/Walter_Dudek
1937 wird mit dem Groß-Hamburger-Gesetz der nächste Schritt zur Bildung einer norddeutschen Wirtschaftsmetropole vollzogen. Nach diesem Gesetz trat Preußen eine Reihe von Gebieten an Hamburg ab, darunter Harburg-Wilhelmsburg und die längst mit Hamburg zusammengewachsenen Städte Altona und Wandsbek. Damit hatte sich die Fläche der Hansestadt Hamburg von 41500 auf 74700 Hektar vergrößert. Der Vertrag bedeutete die Beendigung der bisherigen Hafenkonkurrenz zwischen Hamburg, Altona und Harburg.
Nach 1945 gab es ernsthafte Versuche, die Folgen des Gesetzes zumindest teilweise zu revidieren und den ehemals selbstständigen Städten eine größere Autonomie zu sichern: Insbesondere in Harburg und Altona wurden solche Forderungen laut und waren dort überaus populär; außerdem deckten sie sich mit den Zielen der britischen Besatzungsmacht nach einer stärkeren Dezentralisierung. Für Harburg wurde im Sommer 1946 ein Ausschuss aus örtlichen und Hamburger Partei- und Gewerkschaftsvertretern eingesetzt, um diesbezügliche inhaltliche Fragen einer Klärung näherzubringen.
Nach der ersten Bürgerschaftswahl am 13. Oktober 1946 trat diese Frage für den Senat aber mehr und mehr in den Hintergrund, in erster Linie unter der Ansage, dass für den Wiederaufbau und die Verbesserung der Lebensverhältnisse in der zerbombten Stadt eine Konzentration aller Kräfte Vorrang genießen müsse.
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Wilhelmsburg | DO 09 FEB 12 | Bürgerhaus 19.30 Uhr | Klassisches Konzert: Wolfgang Amadeus Mozart / Anton Webern / Franz Schubert | Eintritt: 15€ | Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben in Begleitung eines zahlenden Erwachsenen freien Eintritt.
Harburg | DIE 07 FEB 12 | Stellwerk 21h | The Doppelgangaz [ New York City ] | Konzert: Oldschool Hip Hop der 90er | 12,- | Easy Jazzy Dope-Flow für Leute, die in den 90ern MC Solaar und Jazzmatazz gut fanden. Passt eigentlich gut als Sommer-Cruising-Soundtrack. Kommt daher wie eine permanente ( textlich explizite ) Verarschung von Jazzy Jeff & The Fresh Prince.
Hamburg | DO 02 FEB 12 | Deichtorhallen Eröffnung 19 Uhr | Fotografie-Ausstellung bis 15. April 2012 | Das Haus der Photographie der Deichtorhallen würdigt den 88jährigen Fotografen und Maler Saul Leiter in einer weltweit ersten großen Retrospektive. Die Ausstellung umfasst mehr als 400 Arbeiten.


