KATRIN JAKOBSEN — Alles wird gut | Sammlung Falckenberg
1. Oktober 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Archiv, VORSCHAUHarburg | bis 16 OKT 09 bis 10 JAN 2010 | Mixed Media gegen Kindesmissbrauch und Pädophilie

Katrin Jakobsen | but he has always been such a nice uncle | 100x150cm
KATRIN JAKOBSEN www.alleswirdgut.com
Mixed Media Projekt gegen Kindesmissbrauch und Pädophilie. Angesichts der jüngst bekannt gewordenen sexuellen Missbrauchsskandale in schulischen Einrichtungen fügt sich die Ausstellung in die aktuelle öffentliche Debatte ein und regt zu weitergehenden Diskussionen an:
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Was kann jeder Einzelne von uns tun, um den Opfern zu helfen? Wie kann sexuelle Kindesmisshandlung inZukunft verhindert werden?
Installationen, eine Fotoserie mit 20 großformatigen Fotografien und zwei Videos.
- Eröffnung: Freitag, den 16. Oktober 2009, von 19 – 23 Uhr
- Ausstellungsdauer: 17. Oktober 2009 – 10. Januar 2010
Sammlung Falckenberg, Hamburg-Harburg
Die Idee für das Projekt alles wird gut (Everything’s gonna be fine) kam der in Hamburg geborenen und in Frankreich lebenden Schwedin Katrin Jakobsen auf einem Flug zurück nach Europa aus Thailand und Kambodscha im Jahr 2006, wo sie Bilder sah, die in der schwedischen Ausgabe der Zeitschrift Elle abgedruckt waren – im Zusammenhang mit einer UNICEF-Hilfsaktion für HIV-Kinder.
“Mit dem Projekt “Alles wird gut” möchte ich stören, Reaktionen, Empörung und Diskussion provozieren.”
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VIDEO | Impressionen aus der Hamburger Ausstellung 2009 | TheFotokaja
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Artist Statement [ KATRIN JAKOBSEN ]
… Bilder von tausenden aufgegebenen, verkauften und misshandelten Straßenkindern. Und hier war ich mit all diesen vorübergehend zufriedenen Pädophilen im Flugzeug, die zurück in ihr “normales” Leben flogen. Es war so offensichtlich. Aber ich konnte nichts dagegen tun? Nur die Augen schließen und so tun, als hätte ich nichts gesehen?
Hinter meinen geschlossenen Augen sah ich es nur noch schlimmer. Ich sah die Männer die kleinen Jungen berühren, sah sie nackt auf schmutzigen Hotel-Betten sitzen mit tapfer lächelnden Mädchen im Teenageralter, die gezwungen waren, “nett zu ihnen sein”. Ich sah es geschehen. Jede Vergewaltigung. Jede Kindheit, die sie zerstört haben. Weitere Bilder stürzten auf mich ein. Bilder, die ich bis dahin auf Distanz gehalten hatte. Eltern, die ihre Kinder schlagen, sie verhungern lassen. Jede einzelne Geschichte, die ich in den Zeitungen gelesen hatte, in den Nachrichten gehört hatte. Grausame Bilder, vor allem für einen Fotografen, der Schönheit sucht in jedem einzelnen Frame.
Ich hatte dann die Vision von einem Puppenhaus.
Die perfekte kleine viktorianische Welt meiner Tochter. Erbaut von romantischen Erwachsenen, die Kinder glauben machen, dass es keine dunkle Seite im Leben gibt. So winzig. So unschuldig. Wie ein beruhigendes Flüstern ins Ohr eines weinenden Kindes: Alles wird gut.
Der erste Impuls war, das Puppenhaus meiner Tochter für die Darstellung von Szenen sexuellen Missbrauchs und Gewalt gegen Kinder zu nutzen – die nicht ganz so perfekte Welt hinter verschlossenen Türen zu zeigen.
Doch schon bald zeigte sich, dass ich mich in einer direkten, körperlichen Weise daran beteiligen musste. So begann ich mit dem individuellen Bau von “PuppenKästchen” – die wie Film-Sets mit detailliertem Innen- und Lichtdesign funktionieren. Ich formte Plastilinfiguren und platzierte sie in dramatische Situationen, die wie Filmszenen wirken. Das Erstellen dieser kleinen Figuren kann schon mehrere Tage dauern.
Im Formungsprozess bildete ich mir ein zu fühlen, was die Opfer fühlten. Ich kam ihnen nahe. Der Opferschmerz auf der einen Seite, aber auch die sexuelle Erregung des Pädophilen. Eine sehr beängstigende Erfahrung.
Ich habe in den Fotosettings vermieden, Situationen von sexuellem Missbrauch oder Gewalt explizit darzustellen. Das wäre zuviel der Peep-Show gewesen. Stattdessen suchte ich eine Perspektive, wo ich als Fotograf offenbaren konnte, was geschehen war. Oder was passieren wird. Das Kamera-Objektiv wurde mit einem Kondom überzogen. ( PRESERVATIV – Schutz ). Dadurch entsteht ein verschwommenes Bild, das (fiktiv) die Persönlichkeit des abgebildeten Opfers schützt.
Die Ausstellung zeigt auch den Projektraum der Künstlerin. Dort wird in Form einer umfassenden Dokumentation Zeugnis über die Recherchen und sonstigen Aktivitäten der Künstlerin im Zusammenhang mit ihrer Arbeit zum Thema des Kindesmissbrauchs abgelegt. Sie hat von der Fotoserie eine Reihe von Postern angefertigt, mit denen sie Werbeflächen im öffentlichen Raum überklebt. Die illegalen Aktionen sind fotografisch dokumentiert und werden in der Ausstellung gezeigt.
Die Bilder werden also nicht nur in Galerien, sondern auch – im Sinne von Guerilla-/Street-Art im öffentlichen Raum platziert, wo immer Jakobsen auf Reisen ist. Immer wird die Frage gestellt, was wir sehen möchten und wo wir wegsehen. Wo fangen wir an unsere eigenen Wahrnehmungen in Frage zu stellen? Denn Wegsehen und “Stillhalten” ist Mitwirken an einer unerträglichen Realität.
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Sammlung Falckenberg | Wilstorfer Straße 71 | Phoenix-Hallen / Hamburg-Harburg
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