CORINNA KORTH – Kulturfolger | tinderbox
15. Oktober 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Archiv, VORSCHAURothenburgsort | DIE 20 OKT 09 | Tinderbox Gallery | Kino- und Erfahrungsraum zum Thema “Mischwesen aus Mensch und Tier” | Eröffnung | 19 Uhr | Ausstellung bis 21 NOV 09

Canis Lupus
Die Performancekünstlerin CORINNA KORTH (*1975) lebt seit 2000 als offiziell geduldetes Mischwesen aus Mensch und Wolf namens Canis Lupus in Hamburg. Ihr Dasein dokumentiert sie seitdem in Photoalben und Sachbüchern, einem Stammbaum und Filmen.
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In unserer zivilisierten Welt ist sie in der Öffentlichkeit ein Fremdling und macht Erfahrungen der Ausgrenzung. Sie bewertet den Zwiespalt zwischen Sozialisation und Instinkt neu und führt dieses Leben mit einem guten Blick fürs Detail, viel Ironie und vor allem Humor vor. Der komplexe Kosmos von Korths künstlerischer Welt erweitert sich zunehmend auf andere Tierfamilien wie Ratten, Vögel, Hirsche und Bären.
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CORINNA KORTH
KulturfolgerTINDERBOX Contemporary Art
| Ausstellungseröffnung: DIE 20 OKT 09 um 19 Uhr
| Ausstellung bis 21 NOV 09
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Für die Ausstellung „Kulturfolger“ hat Corinna Korth einige Objekte ausgewählt, die auf ihre weitläufige künstlerische Welt hinweisen, beispielsweise das Skelett eines Werwolfes, das sie scheinbar im Zuge einer Ausgrabung bei einem brandenburgischen Schloß entdeckt hat und das bereits im dortigen kulturhistorischen Museum ausgestellt worden ist. Auch eine mehrteilige fotografische Dokumentation von Menschen, denen Tätowierungen aus Tierfell gewachsen sind, beispielsweise in Form des typographischen Tattoos „You never howl alone“, wird zu sehen sein. Zudem gibt es eine großformatige, als Stammbaum angelegte Ahnengalerie von Hybridwesen aus der Familiengeschichte Corinna Korths.
Zudem hat die Künstlerin ein Rudel von 40 Hybridwesen aus Mensch und Ratte filmisch begleitet, während es sich nach der Méthode Naturelle (Bewegungslehre für das Überwinden natürlicher Hindernisse) durch den urbanen Raum bewegt. Die Rattenmenschen fangen an, sich die Stadt mit Sprüngen und trainierten akrobatischen Bewegungen zu erobern. Bekannt ist diese Art der Fortbewegung als Le Parkour, eine Zurückeroberung des urbanen Raumes in Zeiten seiner zunehmenden Besetzung für private und vor allem kommerzielle Zwecke, indem er immer mehr privatisiert wird und daher kaum noch öffentlicher Raum im Sinne eines für alle frei nutzbaren Terrains ist. Somit ist Parkour auch im Diskurs der Kunst im öffentlichen Raum mitzudenken.
Das entstandene Filmmaterial wird ein Teil der Videoarbeiten sein, die in einem speziell installierten Kino inklusive Kinosesseln – ein Geschenk ihres ehemaligen Professors an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, Stanley Brouwn – in der Galerie zu sehen sein werden.
Schliesslich hat sich Corinna Korth weitergehend mit dem Phänomen der Kulturfolger beschäftigt, das zugleich Titelgeber der Ausstellung ist. Kulturfolger sind Tiere oder Pflanzen, die aufgrund anthropogener landschaftsverändernder Maßnahmen Vorteile erlangen und deshalb dem Menschen in seine Kulturlandschaft (Äcker, Wiesen, Verkehrswege, Siedlungen, Behausungen) folgen. Menschen mit Nachnamen der städtischen Kulturfolger – wie Hase, Fuchs, Bär, Wolf und Hirsch – wurden ausfindig gemacht, vermessen und fotografiert und sind Grundlage von Corinna Korths aktuellster Arbeit, die im Zuge der Ausstellung „Kulturfolger“ ihren Anfang nehmen wird.
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Im Zuge ihrer Diplomarbeit an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg hat sich die Künstlerin als „Canis lupus” einbürgern und die dafür nötigen Behördengänge über sich ergehen lassen. In ihrer Arbeit wird deutlich, daß ihr Interesse weniger der bedrohten Spezies Wolf gilt als der Auseinandersetzung mit dem eigen Selbst, die ihr die Figur des Wolfes ermöglicht. Der Wolf fasziniert Corinna Korth durch seine Gegensätze im mythologischem und biologischem Sinn. Er ist ein äußerst intelligentes, soziales und scheues Rudeltier, was aber seit altersher von den Menschen gefürchtet und somit in Märchen und Mythen als gefräßiger Killer dargestellt wird, was zu seiner Ausrottung in unseren Wäldern geführt hat.
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Die Frau im Wolfspelz
DEUTSCHLANDRADIO Kultur – Peter Krause Artikel lesen
Wenn Corinna Korth sich mit dem Wolf beschäftigt, verwandelt sie sich in ein Gesamtkunstwerk, das sie selbst entworfen hat – sie zieht sich an wie ein Wolf, legt Wolfsfell-Unterwäsche und ein Fellkostüm an und stülpt sich eine riesige Maske über. Dann geht sie damit in die Öffentlichkeit, testet die Akzeptanz der Menschen.
“In der U-Bahn ist es immer so, dass ich immer alleine sitze, weil sich niemand traut neben mir zu sitzen, obwohl ich keinen bedrohe, und das ist ja eine Art von Diskriminierung. Da sind kleine Hunde schon vor mir geflüchtet, weil sie natürlich den menschlichen Geruch wahrnehmen, aber trotzdem sehen, dass es sich um eine Hunde-artige Maske handelt und das bekommen die nicht zusammen Und bei ein paar Schäferhunden die ich getroffen habe, die haben sich also auf den Rücken gelegt und mir die Wolfschnauze geleckt und sich so unterworfen.”
Einbürgerung des Wolfsmenschen. Dabei verwandelt sie sich in einen aufrecht gehenden Wolf und meldet sich so bei den Behörden an.
“Man braucht ein Sparbuch, man darf nicht arbeitslos sein, man braucht Gesundheitszeugnisse, man braucht einen Sprachzeugnis, dass man über ausreichend Deutschkenntnisse verfügt. Und ich habe eben gedacht, Wölfe in Deutschland wieder einzubürgern, wo sie eigentlich auch hingehören. Und war dann eben bei einem Tierarzt, habe dort ein Gesundheitszeugnis bekommen und beim Humanmediziner für den menschlichen Teil in mir.”
Die gesamte Prozedur der Einbürgerung hat sie dokumentiert, fotografiert und als Broschüre verlegt. Sie erhält einen Hundeimpfpass, eine vorläufige Duldung und ein Zeugnis am Deutsch-Institut für Ausländer, wo ihr Sprach- und Hörverständnis mit “sehr gut” bewertet wird.
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TINDERBOX, Billwerder Neuer Deich 72, 20539 Hamburg-Rothenburgsort
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