Komm in die Gänge | Hausbesetzung als Kunstaktion

16. Oktober 2009 | Von | Kategorie: Allgemeines, Bewegungsmelder, Journal

Hamburg | Am Wochenende 22./23. August 2009 hatte die Künstlerinitiative “Komm in die Gänge” das abrissgefährdete Gängeviertel in Hamburg mit über 150 Künstlern kulturell in Besitz genommen, seitdem waren tausende neugierige Hamburger zu Gast in den Häusern.

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Die Initiative „Komm in die Gänge” will die 12 leerstehenden Altbauten des „Gängeviertels” retten. Im Interesse der Hamburger Baukultur und Kreativ- / Kulturschaffenden sollen die seit 7 Jahren vor sich hin verottenden Häuser nicht verfallen, sondern instand gesetzt und kreativ genutzt werden.

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Die Initiative bietet sofortige, nachhaltige Lösungskonzepte, die sie gern in Gesprächen mit der Stadt vorstellen möchte. Die Finanzbehörde versucht seit Jahren, das denkmalwürdige Viertel im Höchstgebotsverfahren zu verkaufen, der jetzige Investor ist jedoch nicht zahlungsfähig und die Stadt hat keine Alternativlösungen als weiterhin jahrelangen Leerstand. Die Aktion weist auch darauf hin, dass in Hamburg zu wenig günstiger Raum für kulturelle Entfaltung jenseits des touristisch vermarktbaren Mainstreams bereit stünde, was mittelfristig die Abwanderung kreativen Potenzials in andere Städte, wie Berlin bedeute.

22 – August 2009 | OFFENER BRIEF AN DEN SENAT

Hier im Gängeviertel wird Ihnen von heute an eine goldene Brücke gebaut, die nicht nur das Leben rund um das Gängeviertel nachhaltig zurückbringen wird, sondern auch dieses historische Viertel in seiner gegenwärtigen Substanz erhält.

Über 150 Künstler und Kreative bespielen ab Samstagmittag das Gängeviertel mit ihren Bildern, ihrer Musik und ihren Performances, um dieser Stadt zu zeigen, welches Potential hier an seiner Entfaltung gehindert wird.

Wir erwarten nun von Ihnen als Senat, dass Sie, wie im bestehenden Koalitionsvertrag in Bezug auf den Umgang mit den Hamburger Kreativen vereinbart, die Verantwortung für die kulturelle und soziale Vielfalt der Stadt übernehmen und mit uns konstruktiv zusammenarbeiten – für die Gestaltung eines neuen, finanziell unabhängigen Kunst- und Kulturzentrums im Herzen der Stadt.

Einem Treffen zum ernsthaften Austausch wird mit Freude entgegen gesehen. Bis dahin bleiben wir hier und warten auf Sie!

Mit freundlichen Grüßen DAS GÄNGEVIERTEL www.gaengeviertel.info

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25 - August 2009  | Der Senat hat in seiner Sitzung beschlossen, die Kunstaktion im Gängeviertel vorläufig zu dulden und die Gespräche über mögliche Lösungen fortzuführen.

Der Erhalt des Gängeviertels ist das eine – die Tatsache, dass es nicht genügend Atelierflächen für Künstler gibt, ist eine andere. Eine weitere Forderung der Künstler deshalb:

“Wir fordern, dass die Stadt mit ihren Immobilien offener umgeht, dass einfach Platz gemacht wird für Zwischennutzungen. Wenn die Zwischennutzung ganz offen wäre, wenn man sofort rein könnte, dann gäbe es diese Raumknappheit überhaupt nicht, weil sie gar nicht existiert. Ganze Stadtteile stehen leer: Hammerbrook, City-Nord, die ganzen alten Bürostandorte stehen leer. Bei den meisten Gebäuden, die leer sind, steht ja nicht mal dran, dass sie vermietet werden sollen, weil sie abgeschrieben werden über die nächsten 20 Jahre noch”,

sagt Florian Tampe, ebenfalls Künstler. Doch das ist eine ganz andere Diskussion. Das Problem des Platzmangels ist sich die Stadt bereits seit Längerem bewusst: Schon seit Juni sei geplant, noch in diesem Herbst 30 Atelierräume zu Verfügung zu stellen. Und auch in der Speicherstadt gebe es zahlreiche Initiativen, die mit Hilfe von Mäzenen Platz für künstlerisch nutzbaren Raum schaffen wollen.

Es tut sich also etwas in der Stadt, doch es reicht nicht. Denn die Atelierräume sind schon längst reserviert.

[ via DEUTSCHLANDRADIO - Verena Herb | Häuserkampf im Gängeviertel ]

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Initiative “Komm in die Gänge” fordert Rücktritt vom Vertrag – Senat soll nun seine Glaubwürdigkeit beweisen

Nachdem am vergangenen Freitag die Zahlungsfrist des niederländischen Investors Hanzevast ohne Zahlungseingang abgelaufen ist, sollte die Stadt nun zeigen, ob sie es mit ihren bisherigen Aussagen ernst meint.

Die Initiative fordert den Finanzsenator Freytag (CDU) auf, umgehend vom Kaufvertrag mit dem Investor zurückzutreten, um damit die Interessen einer breiten Hamburger Mehrheit zu vertreten und endlich die Verantwortung für den Denkmalschutz und eine kulturelle und soziale Zukunft der Stadt zu übernehmen. Wenn die Stadt diese Chance nicht ergreift, macht sie nicht nur ihre bisherigen Aussagen, sondern auch ihre Absichtserklärungen unglaubwürdig, „als kreative Metropole mit Weitsicht wachsen“ zu wollen.

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VIDEO | Gängeviertel (Aktion “Komm in die Gänge”) [ Feuerlöscher-TV ] 24.08.2009

YouTube Preview ImageImpressionen aus den von Künstlern besetzten Gängeviertel mit Ausschnitten aus der Pressekonferenz mit der Initiative “Komm in die Gänge” und einem Statement von Bezirksamtsleiter Markus Schreiber

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TAZ | Kommentar von Klaus Irler / 20.10.2009

Die Kulturbehörde erwischt das kalt: Einen Plan B hat sie nicht und die Vorstellung, dass der Investor auf freundliche Anfrage von Kultursenatorin Karin von Welck Ateliers einrichten könnte, ist unrealistisch.

Der Stadt ist durch dieses Immobiliengeschäft ein Imageschaden entstanden, der die Politiker selbst überraschen dürfte. Gerne und laut spricht der Senat von der Kreativstadt Hamburg, davon, wie man sich durch eine lebendige Künstlerszene profilieren wolle im Wettbewerb der Städte. Die Nachrichten über das Gängeviertel gehen genau in die andere Richtung los. Und diese Nachrichten laufen bundesweit.

TAZ – Kommentar lesen

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26 – Oktober 2009 | Initiative räumt zwei Gängeviertel-Häuser, um Steuergeld zu sparen.

Forderung an den Senat, vom Vertrag mit dem Investor zurückzutreten.

Die Initiative “Komm in die Gänge” ist heute aus zwei zentralen Gebäuden des Gängeviertels (“Fabrik” und “Druckerei”) gezogen und damit einen großen Schritt auf die Stadt zugegangen. Der Senat ist vertraglich zu einer Übergabe der beiden geräumten Gebäude an den Investor Hanzevast
verpflichtet. Die Initiative verhindert daher mit ihrer Räumung der Gebäude, dass durch Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe von Hanzevast unnötig Steuergelder verschwendet werden. Dieses Zugeständnis versteht die Initiative nicht als Rückzug.

Um ihr Ziel zu erreichen, die Gebäude in ihrem Bestand zu erhalten und somit das kulturelle Erbe zu schützen, erschließt die Initiative weitere 6000 qm Fläche im Viertel: sämtliche begehbaren Obergeschosse und die drei bislang noch leer stehenden Gebäude werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ihr Entgegenkommen verbindet die Initiative mit folgenden Forderungen:

  • Wir geben dem Senat nochmals die Gelegenheit schnellstmöglichst den Vertrag mit Hanzevast rückabzuwickeln, was bislang von Finanzsenator Freytag ( CDU ) persönlich verhindert worden ist.
  • Wir fordern daher vom Senat, baukulturelle und soziale Verantwortung zu übernehmen und es der Initiative “Komm in die Gänge” zu ermöglichen, das Viertel denkmalgerecht instand zu setzen sowie ihr langfristiges Entwicklungskonzept umzusetzen.
  • Wir fordern den Rücktritt von Finanzsenator Michael Freytag. Nicht nur, aber auch im Gängeviertel hat Freytag bewiesen, dass er nicht in Lage ist, das Interesse der Hamburgerinnen und Hamburger an einem sorgsamen Umgang mit öffentlichem Grund und Boden und dem kulturellen Erbe der Stadt zu vertreten.
  • Außerdem soll die Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk ( GAL ) ihrer Aufgabe nachkommen, öffentlich Stellung zum Erhalt des Gängeviertels zu beziehen.
  • Wir fordern weiterhin, die Winterfestmachung der Gebäude, die uns bereits zugesichert wurde, auch umzusetzen.
  • Wir fordern die Offenlegung der Verträge mit Hanzevast, zumal nach unserem Erkenntnisstand keine Vertraulichkeitsklausel mit dem Investor Hanzevast besteht.

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Reportage über die Künstlervereinigungen DA! und LA OUBLIETTE  in London

23 - OKT 09 | In urbanen Schlupflöchern

Philipp Draxler – DER STANDARD (Österreich)

Laut der autonomen “Empty Homes Agency” stehen allein in London rund 83.000 Gebäude leer.

Es gibt verfallen und abgerissen, es gibt benutzt und funktionierend. Und: Es gibt “Limbo”. Ein in der Theologie gebräuchlicher Ausdruck für den Zustand zwischen Leben und Tod, erklärt Simon. Seiner Meinung nach sollten Hausbesetzer diesen “limbotischen” Zustand beenden, die Gebäude aus dem urbanen Fegefeuer hieven und ihnen neues Leben einhauchen. Wenn Besetzungen einen prinzipiellen Sinn haben, dann die weise Nutzung der Ressourcen.

Was einst stilistischer Ausdruck politischer Gesinnung und Sozialkritik war, verwandelte sich, auch wegen der mächtigen Modeindustrie, ganz einfach zu “Fashion” . Die modische Hausbesetzerszene besteht heute aus einem wilden Potpourri – Studenten, Künstler, Autonome und Aussteiger.

“Bourgeois Bohemians”, kurz Bobos, Kinder aus reichem Hause, die den familiären und wirtschaftlichen Fallschirm geschultert haben, leben hier den urbanen Traum des mittellosen Künstlers – der wiederum diesen Lebensraum mehr aus Not und weniger als Tugend kreativ und mit weniger finanziellen Möglichkeiten gestaltet. Und es tummeln sich hier auch all jene, denen ihr hart erarbeitetes Geld zu schade ist, um es in überteuerte Quadratmeter zu investieren.

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Maler Daniel Richter kritisiert Hamburgs Kulturpolitik

DEUTSCHLANDRADIO Kultur

AUDIO | Interview mit Daniel Richter

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Der Hamburger Maler Daniel Richter hat der Hansestadt vorgeworfen, sich nicht um Kultur zu kümmern. Die Hamburger Kulturpolitik sei zu stark auf den Tourismus fixiert, sagte Richter, der derzeit mit anderen Künstlern mehrere Häuser im Hamburger Gängeviertel besetzt hält.

Gefördert würden vor allem Volksfeste wie die Harley-Davidson-Tage oder das Kirschblütenfest. “Das ist die immer gleiche abgeschmackte Art von Konsum und Massenunterhaltung, und das ist keine Kulturpolitik.”

Hamburger Künstler gingen nicht deshalb nach Berlin, weil sie nicht gern in der Hansestadt lebten, sondern weil die Mieten zu hoch seien und es in der Innenstadt keine Akzeptanz für ihr Schaffen gebe. Gerade die jungen Künstler, die noch keine Karriere hätten, benötigten Raum für Experimente. “Nur wenn es diese Räume gibt, kann es eine Kunst geben”, betonte Richter. Die Hamburger Kulturbehörde schlafe jedoch in diesem Bereich. “Wenn man 20 Millionen hat, um die private Schiffsammlung von Herrn Tamm zu kaufen und zu einem Museum zu erklären, dann sollte man auch in der Lage sein, tatsächlich Künstler zu halten.”

DEUTSCHLANDRADIO – Beitrag lesen

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Gängeviertel Valentinskamp / Speckstraße

49, 20355 Hamburg, Deutschland

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2 Kommentare
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  1. [...] auch | KOMM in die Gänge | HAUSBESETZUNG als Kunstaktion  ( zeitgleich, parallel zur SUBVISION initierte urbane subkulturelle Kunstaktion – Hamburg [...]

  2. Liebe Initiative Komm in die Gänge!
    Ich bin total begeistert von Eurer Aktion!!
    Ich habe schon oft diese alten , zauberhaften Häuser und Höfe betrachtet und mich gefragt , was daraus werden soll. Und es sehr bedauert , dass dort offensichtlich niemand mehr wohnt und alles dem verfall preisgegeben wird , um dann einen guten Grund zu haben , das Viertel abzureissen. So wie es damals am Fischmarkt und am Hafen geplant war.
    Zwar bin ich keine Künstlerin , aber ich würde SOFORT in eine der Wohnungen – am liebsten in einem Hinterhof – einziehen. Dann könnte ich meiner Fantasie in Bezug auf eine Gartengestaltung freien Lauf lassen.

    Macht weiter und meine Unterstützung habe ihr!
    B . Uhlig