VIVA LA MUERTE | Fleetstreet

7. November 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Bewegungsmelder, VORSCHAU

Hamburg | FR 13 NOV 09 ab 21 Uhr | Fleetstreet | Film: VIVA LA MUERTE von Fernando Arrabal 1971 | präsentiert von Matthew Way und Peter Sempel | Eintritt: 3 Euro

VIVA-LA-MUERTE

Arrabals autobiographischer “Faschismus-Abrechnungsfilm” VIVA LA MUERTE gilt bis heute als eines der radikalsten Filmkunstwerke aller Zeiten.

Spanien in den 1930er Jahren: Francos Faschisten haben die Republikaner im Bürgerkrieg besiegt; “Viva la Muerte” (Lang lebe der Tod) ist ihr Schlachtruf, Tausende der besiegten Linken wurden in einem regelrechten Blutrausch ermordet. Der Junge Fando will seiner Mutter nicht glauben, dass sein Vater, ein Republikaner, Selbstmord begangen hätte. Zu seinem Entsetzen findet er einen Brief, aus dem hervor geht, dass der Vater von seiner Frau an die Faschisten verraten wurde. Lebt er noch? Wurde er ermordet? Fando will die Wahrheit herausfinden und macht sich auf die Suche nach seinem Vater ….

Originaltitel: Via la muerte. Frankreich, 1970. Regie: Fernando Arrabal. Drehbuch: Fernando Arrabal, Claudine Lagrive (nach Arrabals Roman). Produktion: Hassen Dalboul, Jean Velter. Kamera: Jean-Marc Ripert. Schnitt: Laurence Leininger. Musik: Jean-Yves Bosseur. Darsteller: Mahdi Chaouh (Fando), Anouk Ferjac (Tía Clara), Jazia Klibi (Thérèse), Ivan Henryques (Vater), Mohamed Bellasoued (Colonel). Farbe. 90 Min.,  OmU

FLEETSTREET | www.fleetstreet-hamburg.de
Admiralitätsstr. 71, 20459 Hamburg

Autobiographisch gefärbter Debutfilm des spanischen Filmemachers und Dramatikers Fernando Arrabal. Gilt bis heute als eines der radikalsten Filmkunstwerke aller Zeiten. Der Film muss wohl auch als Selbsttherapie-Versuch eines Künstlers gesehen werden, der das mysteriöse Verschwinden seines Vaters, der nach seinem Todesurteil geflohen war, verarbeitet. Stilistisch ist das Werk dem spanischsprachigen Surrealismus vom Schlage eines Luis Buñuel (Ein andalusischer Hund) oder Alejandro Jodorowsky (El Topo) zuzuordnen. Inhaltlich hingegen steht VIVA LA MUERTE in der Tradition des südeuropäischen “Faschismus-Abrechnungskinos” wie die ansonsten nicht vergleichbaren Filme Die 120 Tage von Sodom und AMACORD. Gedreht wurde der Film 1970 – also noch zu Lebzeiten Francos – im französischen Exil. Was dem Zuseher hier vorgesetzt wird, ist definitiv harter Stoff [ via filmtipps.at ]

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VIDEO | VIVA LA MUERTE Ausschnitt

YouTube Preview Image

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Viva la muerte!” – Lang lebe der Tot!

Den Tod bekommen wir in diesem Film des Öfteren zu sehen. Sei es, wenn der junge Fando ein Insekt auf seiner Schulbank in zwei Hälften teilt, und mit ansieht, wie der zappelnde Torso des Tieres sich gegen den gewalttätigen Übergriff zu wehren versucht. Oder auch am Ende des Films, wo einem Stier die Kehle aufgeschnitten wird, und Tonnen von Blut auf die Straße quellen. Harter Tobak sind jene Bilder, denn der Exil-Spanier und Dramatiker Fernando Arrabal ist nicht gerade zimperlich, wenn er in seinem Filmdebüt eine autobiographisch getünchte Jugendgeschichte erzählt.

Fando lebt in ärmlichen Verhätnissen in Spanien auf. Da sich sein Vater zu den Zeiten des spanischen Bürgerkrieges einst auf die Seite der Kommunisten schlug, wurde er von seiner Ehefrau verraten, und ins Gefängnis gesteckt. Die Frage, ob sein Vater noch lebe, oder nicht, quält den Jungen sehr, jedoch verweigert seine Mutter das Thema beharrlich. Fandos Gedankenwelt wird uns deutlich dargelegt, indem Regisseur Arrabal einfarbig gedrehte Traumsequenzen einstreut, die oft von surrealer und abstoßender Kraft sind. Es ist die Gedankenwelt eines Kindes, das in einem Ozean des Chaos zwischen Faschismus, Familie und Religion aufwächst. Fando wird sich im Klaren darüber, dass es seine geliebte Mutter es war, die den Vater an die Gesetzeshüter verraten hatte, und dass sein Vater eventuell noch am Leben sein könne.

“Viva la muerte” ist ein Surrealmeisterwerk, ohne Frage. Oftmals schwierig, fast immer sperrig und unzugänglich. Und kaum scheint der Film fünf Minuten sich in konventionelle Bahnen zu bewegen, bricht er wieder gnadenlos aus, und zeigt uns Bilder, die wir nicht erträumt haben zu sehen. Bilder von toten Tieren, von herausgespießten Augen, von Exekutionen durch den Anus und von einem in der Todeszelle sitzenden Mann, der von seiner Frau als Toilette benutzt wird. Sicherlich nicht für Mainstream-Einsteiger geeignet!

[ via MITTERNACHTSKINO ]

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Fernando Arrabal

gilt als Initialzünder des spanischen Surrealismus und gründete zusammen mit Alejandro Jodorowsky (El Topo, Santa Sangre) und Roland Topor (Fantastic Planet) Anfang der 60er die Panik-Bewegung (Panic Movement) in Anlehnung an Pan, den Gott des Chaos.

Mit ihren explosionsgeladenen, grenzüberschreitenden Performance-Inszenierungen waren sie Wegbereiter des totalen Freiheitsgedankens, der sich Ende der 1960er aus der Kunst heraus immer mehr zu einem generellen Ausbruch einer Generation aus den bestehenden gesellschaftlichen Konventionen entwickeln sollte. 

Arrabals Werk umfasst unzählige Bücher, etliche Theaterstücke ebenso wie Gedichtbände, Zeichnungen, Collagen oder auch Skulpturen. Zwischen 1970 und 1998 inszenierte er insgesamt 7 Filme.

[ via SENSE OF VIEW ]

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plus

BERICHTE ÜBER DEUTSCHLAND (Kurzfilm von Matthew Way , Hamburg 2008)

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