BIRGIT RABISCH | Kulturwerkstatt
24. November 2009 | Von netsamurai | Kategorie: Bewegungsmelder, VORSCHAUHarburg | SA 28 NOV 09 | 16 Uhr | Lesung mit Birgit Rabisch aus ihrem Roman “Warten auf den Anruf” | Kulturwerkstatt | Eintritt 3 € / 2 €

Lesung mit Birgit Rabisch
“Warten auf den Anruf” ist ein Familienroman, aber viel mehr als nur das: Drei Frauen aus drei Generationen einer deutschen Familie geraten in Konflikt mit den Leitwissenschaften ihrer Epoche.
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Emma heiratet den Witwer ihrer Schwester, einen Assistenten Fritz Habers, der im I. Weltkrieg Gaswaffen entwickelt. Sie vertraut seinen patriotischen Rechtfertigungen. Ihre Tochter Wilhelmine wird Physikerin, arbeitet im Uranverein mit Heisenberg und C. F. von Weizsäcker zusammen und läuft Gefahr, Hitler die Atombombe zu verschaffen. Ihre Tochter Irène ist Biologin, nominiert für den Nobelpreis, und wartet auf den Anruf aus Stockholm. Sie glaubt lange, sich mit einer ungefährlichen Wissenschaft zu beschäftigen. Doch dann wird das Klonschaf Dolly geboren …
Erzählerin des Romans ist Verena, Irènes zur Adoption gegebene Tochter, die sich schreibend ihrer leiblichen Familie annähert.
Birgit Rabisch | www.birgitrabisch.de
geb. 1953, lebt als Autorin in Hamburg. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt die Biografie Die Schwarze Rosa (Zu Klampen, 2005). Seit Langem beschäftigt sie die Auswirkung wissenschaftlichen Fortschritts auf die Gesellschaft. So entstanden ihre utopischen Romane Unter Markenmenschen (Fischer, 2002) und Duplik Jonas 7 (Bitter, 1992; dtv, 1996), ausgezeichnet mit dem Literaturpreis NRW, mehrfach übersetzt und drama-tisiert. Duplik Jonas 7 avancierte zum Bestseller (Auflage 150 000) und Standardwerk für den Schulunterricht zum Thema Gentechnologie.
Birgit Rabisch lebt als freie Autorin in Hamburg. Zuletzt hat sie in der Kulturwerkstatt Harburg aus ihrem Roman “Die Schwarze Rosa” gelesen. “Warten auf den Anruf” erschien im Oktober 2009.
Die Hamburger Schriftstellerin Birgit Rabisch hat mit „Warten auf den Anruf” ihr achtes Buch vorgelegt. Auf den ersten Blick handelt es sich um eine Familiengeschichte, in deren Mittelpunkt drei Frauen – Großmutter, Mutter und Tochter – stehen. Die Leserin oder der Leser begleitet die drei über einen Zeitraum von rund 100 Jahren, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart, und nimmt dabei teil an ihren Lieben und Sehnsüchten, an ihren Konflikten und Hoffnungen. Das allein wäre noch nichts Besonderes.
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Ihr neuer Roman „Warten auf den Anruf” ist im Achter Verlag erschienen, einem kleinen und noch jungen Verlag, der einen Schwerpunkt auf belletristische Wissenschaftsliteratur legt.
Das Buch hat 512 Seiten und ist aufwändig hergestellt, gedruckt auf Munken Pure Papier, mit Leineneinband, Fadenheftung und Lesebändchen. Es kostet 28,50 €.
Birgit Rabisch hat ihre Protagonistinnen im Wissenschaftsbetrieb angesiedelt. Jede von ihnen steht für die jeweilige Leitwissenschaft ihrer Epoche. Emma ist die Frau des Chemikers Dr. Erich Hartkopf, eines Assistenten Fritz Habers, Wilhelmine ist Physikerin, die mit Werner Heisenberg und Carl-Friedrich von Weizsäcker zusammenarbeitet, und Irène Biologin mit dem Schwerpunkt Stammzellforschung.
Der Autorin ist es gelungen, die Lebensgeschichte ihrer Protagonistinnen mit der Wissenschaftsgeschichte zu verknüpfen und dabei immer spannend und oft amüsant zu schreiben. Es gelingt ihr, komplexes Wissen so zu vermitteln, dass man sich bereichert, aber nicht belehrt fühlt, und auch ohne naturwissenschaftliche Vorkenntnisse von der Geschichte in den Bann gezogen wird.
Das Geschehen rund um die Frauen mit ihren verschiedenen Charakteren und in ihrer unterschiedlichen Position im Wissenschaftsbetrieb entwickelt sich vor der Folie der grundsätzlichen Frage der Verantwortung der Wissenschaft für die Folgen ihrer Forschung. Im Zentrum stehen die Entwicklung von Chemiewaffen im Ersten Weltkrieg, die deutsche Atombombe im Zweiten Weltkrieg und die ethische Herausforderung durch die Gentechnologie heute.
Am Ende des Buches wartet die Stammzellenforscherin Irène auf den Anruf des Nobelkomitees und befürchtet zugleich, ein schmerzhaftes Kapitel ihrer Vergangenheit könnte an die Öffentlichkeit gezerrt werden. Denn tatsächlich ist mit ihr die Generationenfolge nicht abgerissen. Schon lange wartet sie auf den Anruf ihrer Tochter Verena, die sie gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben hat. Diese Verena wird in Zwischenkapiteln des Romans als Erzählerin der gesamten Familiengeschichte vorgestellt.
„Warten auf den Anruf” ist ein exzellent recherchiertes Buch, das Wissenschaftsgeschichte aus einem weiblichen Blickwinkel beschreibt Birgit Rabisch hat mit ihrem neuen Roman wieder einmal gezeigt, dass sie es versteht, vermeintlich schwere Kost ins normale Leben zu holen und damit für eine breite Leserschaft zu öffnen. Damit hat sie das Erfolgsrezept ihres Bestsellers „Duplik Jonas 7″ aufgegriffen, in dem sie lange vor der allgemeinen öffentlichen Diskussion das Thema Klonen von Menschen als „Ersatzteillager” zu einem provozierenden dystopischen Roman verarbeitet hat.
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Kulturwerkstatt | Kanalplatz 6 in 21079 Hamburg
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