GERNOT FABER – Proberaum | Harburger Kunstverein
19. Januar 2010 | Von netsamurai | Kategorie: ArchivHarburg | FR 29 JAN 10 | GERNOT FABER – Proberaum | Ausstellung bis 21 FEB 10

Gernot Faber Zielgruppe: prekär unterernährte Kunststudenten, bohèmistischer Couleur
GERNOT FABER = Sebastian Reuss und Lutz Krüger
Bei dem Künstler mit dem schwarzen Käppi und den fettigen Haaren handelt es sich um ein fiktives, im Jahre 2006 von Sebastian Reuss (*1974) und Lutz Krüger (*1972) kreiertes Wesen. Seitdem hat Gernot Faber vieles erlebt und geschaffen – und das macht ihn durchaus real.
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Nach seiner Teilnahme an zahlreichen Ausstellungsprojekten in und außerhalb Hamburgs, entsandte ihn der Verein »Neue Kunst in Hamburg« 2007 im Rahmen des Reisestipendiums nach Rumänien.
2009 agierte er als Interimsdirektor der isländischen Galerie kling&bang. 2010 erhält Gernot Faber das Hamburger Arbeitsstipendium für bildende Kunst. Quasi nebenbei hat Gernot Faber zudem zu schreiben begonnen, in Kürze erscheint ein Schuber mit fünf Publikationen.
Laut Sebastian Reuss und Lutz Krüger ‘lebte Gernot Faber bis zum Fall der Mauer, in Mühlheim an der Ruhr. Anschließend verlagerte er sein Trachten und Tun nach Baselitz, wo er vollkommen entschleunigt seiner autodidaktischen Bildnerei frönte.’ Gernot Faber ‘spricht, malt, isst Äpfel, spielt Musik und reist gerne nach Rumänien und Phuket. Faber ist ein Akteur, ein hybrider Charakter, wie aus einem Brecht’schem Lehrstück, aber mit dem psycho-sexuellen Apparat eines Paul Mc Carthys. Durch Faber hindurch spielen Reuss und Krüger mit Rollen von Erwartung, Genius und Dilettantismus, sie benutzen vor allem Fabers Interesse an Malerei als ein Vehikel der psychischen Entäußerung. In der Maskerade des Klischees legen Reuss und Krüger nicht nur die voyeuristischen Erwartungen der Betrachter offen, sondern reflektieren philosophisch pointiert über die Mechanismen des Systems Kunst. Oder in Fabers ‘eigenen’ Worten auf die Frage: Was wäre die eigenwilligste Verkleidung ihrer Wahl?: „Eine Maske meines Gesichts auf meinem Gesicht, sodass Menschen denken, das bin nicht ich – aber jemand, der vorgibt, ich zu sein.” [ via Neue Kunst in Hamburg ]
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FR 29 JAN 10 | Eröffnung mit Konzert der Londoner Rock-Band Dead Brains ab 19 Uhr
SO 31 JAN 10 | Künstlergespräch: um 16 Uhr
Ausstellungslaufzeit: 30. Jan. bis 21. Feb. 2010
Öffnungszeiten: Mi. – So., 14 – 18 Uhr
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Humanoider Wolpertinger
Mit Gernot Faber haben Reuss / Krüger eine Möglichkeit gefunden, ästhetisch spannungsreiche Ausstellungssettings zu installieren und gleichzeitig auf konzeptioneller Ebene nach den Bedingungen des »Kunst machens« und »Künstler seins« zu fragen.
Vor dem Hintergrund von Ein- und Ausschlussmechanismen des institutionellen Kunstbetriebs untersuchen sie in ihren Inszenierungen authentisches Schöpfertum. Sie erkunden, was künstlerische Autonomie überhaupt sein kann, wenn eine prekäre Künstlerpersönlichkeit mannigfaltigen, oft gegenläufigen Ansprüchen unterworfen ist. Als »humanoider Wolpertinger« ändert Gernot Faber nicht die Bedingungen, unter denen er arbeitet, sondern variiert seinen eigenen Zustand. In Abhängigkeit zum Dialog zwischen Sebastian Reuss und Lutz Krüger ist Gernot Faber mal jung, mal bereits gestorben, gradlinig und redselig oder verzwirbelt und verstockt, verwahrlost oder vollends bohèmistisch – jedoch immer ohne festen Wohnsitz.
Stellvertretend für seine Erfinder darf sich Gernot Faber als Malerbarde eine anachronistische Position innerhalb des zeitgenössischen Kunstgeschehens erlauben. Er dient als »Werkzeug«, um, losgelöst von der eigenen Autorenschaft, Produktionsweisen auszuleben, und entwickelt darüber hinaus ein unberechenbares Eigenleben.
Im Gegensatz zu anderen fiktiven Protagonisten aus Kunstgeschichte und aktuellem Kunstgeschehen, handelt es sich bei Gernot Faber nicht um einen körperlosen Autor, sondern um eine täuschend echt maskierte Gestalt, die irgendwie an den legendären Hamburger Alfred Hilsberg erinnert ( Musikjournalist, Erfinder des Begriffs “Neue Deutsche Welle (NDW)” und Chef der Plattenlabels ZickZack und What’s so funny about? )
In einer »Gernot Faber«-Ausstellung verbinden sich Elemente aus Performance, traditioneller Werkschau, Installation und Institutionskritik. Häufig gibt es innerhalb einer Präsentation Backstage-Bereiche, die jeder, der sich selbst dazu ermächtigt, betreten kann. Dies setzt jedoch unbefangene Neugier und ein aufgeklärtes Infragestellen von Autoritäten voraus – eine Erfahrung, die sich sinnvoll an die Mechanismen des Kunstbetriebs rückkoppeln lässt.
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Gernot Faber als Manager seiner eigenen Geschichte
Nach seinen Erfolgen als Künstler und Galerist zeigt die Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof Gernot Faber nun als Manager seiner eigenen Geschichte, die sich längst verselbstständigt hat: In London haben sich die »Dead Brains« gegründet – eine Rockband, die ihn kultisch verehrt.
Die Ausstellung beginnt mit einem Konzert der Londoner Band. Ihnen bleibt der große Ausstellungsraum als Bühne überlassen. Aber wie geht es Gernot Faber dabei? Er haust in dem Bürotrakt des Kunstvereins, umgeben von Merchandising-Artikeln, schaut auf den von ihm entworfenen »Proberaum« und verwaltet seine eigene Geschichte. In der Wahrnehmung der Ausstellung, zu der der abgedunkelte Bühnenraum ebenso gehört wie der Backstage-Bereich, vermischen sich unmittelbare Sinneseindrücke von der Rauminstallation mit Gerüchten und Reliquien.
Der Harburger Kunstverein wird in ein schwarzes Loch verwandelt. Der Besucher befindet sich in einem abgedunkelten Raum. Hinten die Bühne der Dead Brains und weiter ein erleuchteter Korridor zu Gernot Faber und den Geschäftsräumen von Faber Records. Faber wird dort am Eröffnungsabend sitzen. Nach der Vernissage wird er verschwunden sein. So sollten auch Sie es halten.
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Kunstverein im alten Harburger Fernbahnhof, Hannoversche Str. 85 (über den Gleisen 3+4)
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