HOLGER NIEHAUS – Loaded | Tinderbox

19. Januar 2010 | Von | Kategorie: VORSCHAU

Rothenburgsort | DIE 26 JAN 10 | Tinderbox Gallery 19 Uhr Eröffnung  | Fotografie | Ausstellung bis 09 MRZ 10

Die Farbfotografien von Holger Niehaus (*1975) zeigen klassisch inspirierte Stillleben. Blumen, Obst, Gemüse und weitere Requisiten werden arrangiert und frisch oder als traditionelle Darstellung des Vergänglichen abgelichtet.

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Zusätzlich entstehen ungegenständliche Motive, die mit farbigen Kartons inszeniert werden. Der in Berlin lebende Niehaus überlässt die Wirkung seiner Werke zu keiner Zeit dem Zufall, oft hilft er den floralen Arrangements mit Lack oder Skalpell nach.” (Palais für aktuelle Kunst, Glückstadt)

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HOLGER NIEHAUS
Loaded

TINDERBOX Contemporary Art
| Ausstellungseröffnung 19 Uhr
| bis 09 MRZ 10
| Di—Fr 10—18 Uhr, Sa 11—15 Uhr

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Die Farbfotografien von Holger Niehaus sind ästhetisch perfekt inszeniert und führen die Sehgewohnheiten des Betrachters zunächst auf eine falsche Fährte. Völlig unerwartete Momente der Verwirrung werden in meistens äusserst klassische Sujets eingebaut, die auf den ersten Blick oft den Elementen der barocken niederländischen bzw. flämischen Stillebenmalerei entsprechen. Absolute Schönheit, dem Verfall gewidmet: Memento mori!

Der Ausdruck Memento mori stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „Gedenke zu sterben” (d. h.: sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst sein). Es ist ein Symbol der Vergänglichkeit, insbesondere der menschlichen Existenz.

Verhältnismässig wenige zeitgenössische Künstler, die sich auf das Medium der Fotografie spezialisiert haben, machen dies auch bezüglich des Stillebens. Holger Niehaus tut es und balanciert dabei seine Kompositionen bis ins kleinste Detail aus.

Vorsichtig und bedacht wählt er Obst, Gemüse, Blumen, Vasen und vieles mehr aus als sähe er alles durch eine Lupe – ohne dabei den Blick für das Ganze zu verlieren. Mit ungeheurer Präzision benutzt er Skalpell, Pinzette, Lack sowie Beleuchtungsmittel und bereitet so seine Arrangements unendlich liebevoll vor bevor sich die Blende seiner Kamera davor schliessen darf. Mit unfassbarer Geduld und feinster Technik wie auch der Beherrschung derer kreiert Niehaus so Stilleben von fabelhafter Schönheit. Ganz im Sinn der alten Meister berühren sie die Sinne und tragen Melancholie in sich. Schönheit behält immer das Sagen gegenüber ungeschminkter Realität.

Doch gibt es gleichwohl beim Rezipieren jeder dieser Arbeiten einen Wendepunkt, eine Erschütterung. Etwas stimmt nicht – das irritiert und überführt den Betrachter mit einer gewissen Gnadenlosigkeit in das absolute Jetzt.

Mal gibt ein Kohlrabi vor, ein Apfel zu sein, mal sind verschiedenste Blüten per Kreppband an ein und denselben Stiel geklebt und machen ihn so zu einem hybriden Phantasie- oder Zukunftsgewächs. Mal sehen einen die immer gleichen Blüten wie ein Alien aus einem falschen Blumenbouquet an, mal ist ein Blumenstrauss in einer rechteckigen schwarzen Vase zu ebenfalls einem Rechteck beschnitten oder ein ausgenommener Fisch wird an Marionettenfäden wieder zum Leben erweckt.

Die Unschuld der präsentierten Objekte und Gewächse ist zerstört und die Fotografie von Holger Niehaus dazu berufen, davon Zeugnis abzulegen. Man entdeckt die Welt, wie sie ist – mit all ihren Möglichkeiten und zugleich all ihren Abgründen und wird mitunter auf die üblichen existentiellen Sinnfragen zurückgeworfen. Doch „memento mori” schliesst auch immer „memento vivere” ein und auf diesem Weg setzt die pure Freude über diesen morbiden Charme, das zum Teil auch Groteske und vor allem die pure Ästhetik, Perfektion und Schönheit ein.

Erklärungen werden niemals geliefert, eher Möglichkeiten. Oder Visionen des Unwahrscheinlichen. So ist es und nicht anders. Wer das nicht glaubt, ist selber schuld.

Holger Niehaus, geboren 1975, lebt und arbeitet in Berlin und hat an der Academie voor beeldende Kunst en Vormgeving Enschede / Niederlande studiert.

Er hat zahlreiche Ausstellungen in Deutschland sowie den Niederlanden gehabt, darunter Beteiligungen im Gemeentemuseum Den Haag, im „foam” – Fotografiemuseum Amsterdam sowie im Hague Museum of Photography, Den Haag.

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TINDERBOX, Billwerder Neuer Deich 72, 20539 Hamburg-Rothenburgsort

20539 Hamburg, Deutschland

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