HUBERT FICHTE – 75 Jahre | Museum Elbinsel Wilhelmsburg

19. März 2010 | Von | Kategorie: Bewegungsmelder, Journal, VORSCHAU

Wilhelmsburg | SO 21 MRZ 10 | Museum Elbinsel Wilhelmsburg 15 Uhr | Charlotte Böhm – Lesung

Hubert Fichte www.hubertfichte.de

Der am 8. März 1986 verstorbene Hamburger Schriftsteller Hubert Fichte wäre am 21. März 2010, 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass beschäftigt sich Charlotte Böhm mit seiner Hamburger Zeit, besonders seiner Kindheit und Jugend in einer Lesung mit Musik im Museum Elbinsel Wilhelmsburg am 21. März um 15 Uhr. Der 18jährige Trompeter Georg Stucke wird diese Lesung zu Ehren Fichtes musikalisch begleiten.

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Elefanten, Büffel und Zebras galoppieren die Straße entlang. An den Bäumen in den Schrebergärten hängen Giftspinnen und Schlangen. Für den Achtjährigen Hubert Fichte fällt mit dem Großangriff auf Hamburg 1943, der auch Hagenbecks Tierpark in seiner unmittelbaren Nachbarschaft trifft, seine kleine idyllische Welt in Haus und Garten der Großeltern Trümmer.

Ein Trauma, das er in den Beschreibungen seiner Kindheit und Jugend in Hamburg-Lokstedt immer wieder umkreist. Auch nach seinem Aufbruch in andere Kontinente und ferne Welten mit seiner Lebensgefährtin, der berühmten Fotografin Leonore Mau, lassen die Erinnerungen an das Inferno den Schriftsteller nicht los.

Trotz seiner kurzen Lebenszeit hat Hubert Fichte ein rund 10 000 Seiten umfassendes Werk hinterlassen, von dem der 1968 erschienene Roman „Die Palette” über ein Kellerlokal am Hamburger Gänsemarkt am bekanntesten wurde. „Das Waisenhaus”, „Detlevs Imitationen, Grünspan’ und „Versuch über die Pubertät” sind weitere Titel aus seinem biographisch geprägten Frühwerk. Ausschnitte daraus liest Charlotte Böhm.

Die Journalistin Charlotte Böhm, die seit 1963 in Hamburg lebt und über 30 Jahre lang in Redaktionen verschiedener Zeitschriften tätig war, beschäftigt sich intensiv mit literarischen Zeugen vor allem der Hamburger Geschichte (z. B. Heinrich Heine, Willi Bredel, Hans Henny Jahn). Mit einer Reihe von Lesungen ist sie seit Jahren im „Museum Elbinsel Wilhelmsburg” vertreten.

Charlotte Böhm – Lesung zum 75. Geburtstag von Hubert Fichte (1935-1986): Ein sensibler Zeuge gelebter Hamburger Geschichte

Eintrittspreis: 5.- Euro

Museum Elbinsel Wilhelmsburg e. V. www.museum-elbinsel-wilhelmsburg.de
Kirchdorfer Straße 163
21109 Hamburg

Das Werk von Fichte umfasst rund 10.000 Seiten. Die Buchhandlung Männerschwarm wird Hubert Fichtes Werk auf einem Büchertisch verstellen. Dazu gehört auch die eben im Männerschwarm Verlag von Mario Fuhse herausgegebene Anthologie „19 Empfindlichkeiten”.

Das Café Eléonore hat an diesem Tag von 14 bis 15 Uhr geöffnet.

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Der sterilisierte Autor

TAZ – Jan-Frederik Bandel | Artikel lesen ( Referenzartikel zum Thema )

Eine “nicht mehr rückgängig zu machende Störung” seiner “Beziehungen zur Gesellschaft”, erklärte Hubert Fichte im Juni 1985, hindere ihn, die Einladung zur Aufnahme in die Freie Akademie der Künste anzunehmen: Als Autor, “der homosexuell ist und Halbjude”, müsse er damit rechnen, unter Berufung auf das, was die Satzung der Akademie “unwürdiges Verhalten” nennt, bald wieder ausgeschlossen zu werden.

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Am 2. Oktober 1966

liest der Schriftsteller Hubert Fichte im Star-Club von St. Pauli im Wechsel mit Beat-Gruppen Auszüge aus seinem, im Entstehen befindlichen Romanmanuskript “Die Palette”. Fichte hat als täglicher Gast des gleichnamigen Hamburger Kellerlokals während dreier Jahre aufgeschrieben, was er an Lebensläufen, Bekenntnissen, Episoden, Jargon der Gammler, Anarchisten, Verlorenen und Verzweifelten erfuhr.

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Der Roman “Die Palette”

Die Palette ist als deutscher Beat-und-Pop-Roman gefeiert worden (man hat sie u. a. mit Jack Keruacs Unterwegs / On The Road verglichen)

Das Hamburger Kellerlokal “Die Palette” als Szene-Treffpunkt von Außenseitern, Kleinkriminellen, Künstlern, “Gammlern” und Schwulen. Fichtes berühmter Roman ist ein Seismograph für den wachsenden Protest der 1960er Jahre. Jäcki, Protagonist des Romans, ist kein traditioneller Romanheld, sondern eine Art aufnehmendes Bewusstsein für die zahllosen Geschichten, die man sich in der Kellerkneipe erzählt.

Vor vierzig Jahren war der Roman spektakulär, weil er im Deutschland der Großen Koalition – Kanzler war Kiesinger – Unerhörtes zur Sprache brachte: Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, Kriminalität und Homosexualität (die war damals noch kriminell). Ein Sammelsurium aus Wirklichkeitsfragmenten, Dialogen, Reflexionen. Die inhaltlichen Tabubrüche und die formalen Innovationen / Irritationen machen die Lektüre auch nach vierzig Jahren zu einem Ereignis.

Roman “Die Palette” von Hubert Fichte, 1968

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Beat und Prosa. Live im Star-Club, Hamburg 1966
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“Ich möchte auch mal die fünf Beatles sein: – Hier ist mein Sound. Ich steh vor euch. Das mach ich. Zweitausend Menschen. Auf St. Pauli, die nie sonst ein Buch in die Hand nehmen.” (Hubert Fichte, Die Palette)

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Museum Elbinsel Wilhelmsburg, Kirchdorfer Straße 163

21109 Hamburg, Deutschland

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