SIDEWALK Deli | IBA Hamburg-Wilhelmsburg

20. Juni 2010 | Von | Kategorie: Archiv, Bewegungsmelder, VORSCHAU

Wilhelmsburg | Im Rahmen des IBA-Labors für Kunst & Stadtentwicklung untersucht der Kunstverein Hamburg ab SA 12 JUN 10 den öffentlichen Raum und thematisiert die Frage nach den Entstehungs- und Wirkungsweisen von Öffentlichkeit | Freier Eintritt für alle Veranstaltungen

Hamburg-Wilhelmsburg | Vehringstraße | Foto: Jens Ullheimer

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Im Sommer 2010 tauschen die Internationale Bauausstellung IBA Hamburg und der Kunstverein Hamburg die Seiten: Während die IBA von Juni bis September mit einer Doppelausstellung im Kunstverein zu Gast ist, verlegt dieser seine Aktivitäten nach Wilhelmsburg.

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Im Rahmen des IBA-Labors für Kunst und Stadtentwicklung untersucht der Kunstverein mit „Sidewalk Deli” über einen Zeitraum von vier Wochen auf künstlerisch-diskursive Weise den öffentlichen Raum und thematisiert die Frage nach den Entstehungs- und Wirkungsweisen von Öffentlichkeit. Das IBA-Labor ist kein klassisches Labor im Sinne einer Fachtagung, sondern in seiner Form bereits der Versuch einer zeitgemäßen Forschungs- und Versuchsanordnung.

Sidewalk Deli

ein Kooperationsprojekt des Kunstverein Hamburg und der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg

12. Juni – 11. Juli 2010
Ort: Die Schute von Maknete e.V. (Am Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125) sowie verschiedene Standorte in Wilhelmsburg

Plakat Guerilla Berlin Biennale 2010

KUNST und Gentrifizierung

Anonyme Plakat Guerilla Aktion / Berlin Biennale 2010

Ilka Tödt für EISKELLERBERG.TV www.eiskellerberg.tv/?p=2143

Die leerstehenden Gebäude im Szeneviertel werden somit belagert von der Kunst und den Künstlern. Sie ziehen die Restaurants, Bars und Designerläden nach sich und machen das Viertel interessant. Dies zieht wiederum die Investoren an, die alte Häuser zu Luxuswohnungen sanieren und somit die Mieten erhöhen können, so dass schlussendlich die ärmere Bevölkerung verdrängt wird. Auch die Künstler können sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten. Sie investieren also in ihre eigene Verdrängung und werden somit zum Auslöser des Gentrifizierungsprozesses. Die Künstler lassen sich auf der einen Seite ausbeuten, in dem sie kostenlos und unter schlechten Bedingungen arbeiten, befinden sich auf der anderen Seite in dem stetigen Kampf um künstlerischen Erfolg und hohe Verkaufspreise. „In der Kunst geht es immer um dasselbe, wer verkauft seine Haut am teuersten und sticht die anderen aus.” lautet die Kritik auf den Plakaten.

Wieviel Macht hat die Kunst eigentlich, dass sie an diesem Gentrifizierungsprozess irgendetwas ändern kann? Handelt es sich hierbei nicht um einen natürlichen Stadtentwicklungsprozess, bei dem sich jede Art von sozialem Milieu bevorzugt in großen Gruppen zusammenfindet? Welche Chancen bleiben ihr und welche Möglichkeiten hat die Kunst, diesem Prozess ein Ende zu setzen?

Eine unnatürliche Entwicklung wird nur von der Stadtentwicklung, der Politik und Investoren verursacht und kann auch nur von ihnen gestoppt werden. Lösungsansätze könnten härtere Richtlinien für den Wohnungsmarkt sein. Ein gewisser Anteil von Sozialwohnungen sollte zur Verfügung stehen und es muss mehr Rechte für Mieter geben.

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Sidewalk DELI Wilhelmsburg AKTUELL:

Sonnabend, 3. Juli bis Montag, 5. Juli 2010, 14 – 19 Uhr
Posturban | Die Schute, Maknete e.V. / Honigfabrik
Workshop mit Silke Kapp (Fakultät für Architektur, UFMG, Belo Horizonte, Brasilien) zum Thema Favelas, kreative Ghettos, Armut und Reichtum der posturbanen Architektur.

Montag, 5. Juli 2010, 19 Uhr
Posturban: Sidewalk Monday | Die Schute, Maknete e.V. / Honigfabrik
Skype Konferenz mit Kerstin Niemann: Detroit als Paradigma für urbanen Wandel am Beispiel der Moran Street Gemeinde

Mehr Termine: siehe unten >>>

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Das Projekt setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen:

  1. Die von Raimar Stange kuratierte Ausstellung Apokalypse Now – Kunst zur Klimakatastrophe versammelt künstlerische Positionen, die sich auf kritisch-diskursive Weise mit den Folgen der Klimaveränderung auseinandersetzten.
  2. Der Kunst & Sportverein Wilhelmsburg (KUS) von Jan Holtmann bietet unterschiedliche Angebote und Formate im Handlungsfeld von Kunst und Sport an.
  3. Das Projekt Posturban – Kunst und Leben nach der Stadt von Corinna Koch und Roger Behrens untersucht im Rahmen von Workshops und Veranstaltungen die Veränderung urbaner Strukturen am Beispiel von Kunst und Alltag.

Das Gesamtprojekt besteht nicht nur aus einer Ausstellung von Entwürfen und Vorschlägen zu den jeweiligen Themen, sondern ist der Ausgangs- und Treffpunkt einer Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit und den Modi ihres Entstehens und Wirkens. „Sidewalk Deli” behauptet bewusst kein Zentrum und setzt keine doktrinäre Definition von Öffentlichkeit. Vielmehr erhalten die einzelnen Beiträge einen formal voneinander abgesetzten, aber thematisch miteinander verbundenen Rahmen, innerhalb dessen sie sich autonom entfalten können; in der überkreuzten Perspektive dieser Beiträge, Statements, Kunstwerke, Argumente und Projekte soll ein Bezugssystem entstehen, das die neuartigen Formen von Öffentlichkeit hervorbringt.

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Hamburg-Wilhelmsburg | Am Giftmüllberg Georgswerder | Foto: Jens Ullheimer

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Apokalypse now | Kunst zur Klimakatastrophe

Matthew Antezzo, Bernd & Hilla Becher, Joseph Beuys, Heide Deigert, Douglas Gordon, Tue Greenfort, Almut Linde, Björn Melhus, Anna Meyer, Olaf Nicolai, Manfred Pernice, Bernhard Prinz, Marcel Prüfert, Markus Shimizu, Rirkrit Tiravanija, Silke Wagner, Christine Würmell

Ort: Die Schute, Maknete e.V.,
Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125, 21107 Hamburg
Öffnungszeiten: Do – So 14 – 19 Uhr
Kuratiert von Raimar Stange

Im Rahmen des Projekts „Sidewalk Deli” versucht die Ausstellung „Apokalypse Now”, ästhetische Narrative zur globalen Klimakatastrophe zu finden.

Explizit kritische Strategien, also solche die anklagend Ursachen und Funktionszusammenhänge beleuchten, zeigen hier z.B. Anna Meyer, die in einer Zeichnung die Verantwortung der Kunst ideologiekritisch in den Fokus rückt, Olaf Nicolai mit der in einer Plastiktüte „begrabenen” Topfpflanze sowie Christine Würmell mit ihren politisch-aggressiven Collagen, die u.a. fordert: „Alle Autos in die Antarktis!”. Das Narrativ des Appells findet sich bei Rirkrit Tiravanija, der auf einem T-Shirt „Less oil, more courage” formuliert. Poetische Sensibilisierungen ereignen sich bei Douglas Gordon, der dem Schiff des Vereins Maknete – auf dem die Ausstellung stattfindet – einen neuen Namen gibt, und bei Almut Linde, die Flussverschmutzung durch ungewohnte Schönheit sichtbar macht. Die Möglichkeit einer alternativen Praxis zeigen Heide Degert mit ihrem Modell eines Tornadokraftwerkes und Bernhard Prinz mit seiner Dokumentation eines in der Nähe des Schiffes gelegenen Bio-Kraftwerkes. Ein italienisches „Energie-Spar-Taxi” zeigt Tue Greenforts Fotoarbeit. Das Narrativ der Prognose schließlich bringt Björn Melhus ins Spiel, indem er den Wasserstand von Venedig im Jahre 2099 in einer Computer-Animation in künstlerische Form bringt.

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Hamburg-Wilhelmsburg | Kunst im öffentlichen Raum | Foto: Jens Ullheimer

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Kunst & Sportverein Wilhelmsburg (KuS) | Umsonst und im Verein

Roger Behrens, Alain Bieber, Alisson Courtot, DJ Plastikstuhl, Thomas Dransch, Erobique, Max Frisinger, Oliver Görnandt, Lukas Grellmann, Tobias Gronau, Daniel Hauptmann, Julia Hurducas, Anton C. Kunze, Mateusz Lendzinski, LOMU (Local Organized Multitude), Ulrich Lölke, Tabea Michaelis, Jaques Palminger und die Kings of Dub Rock, Stefan Rychlak, Marco Schwensfeger, Jakobus Siebels, Trike, UMSCHICHTEN, Till van Daalen, Hannes Waldschütz u. a.

Ort: Verschiedene Standorte in Wilhelmsburg
Kuratiert von Jan Holtmann

Fußball ist nicht nur bloßer Sport, sondern ein Spielfeld, auf dem sich soziale Entwicklungen genauso ablesen lassen wie politische Sachverhalte: Die postmoderne Gesellschaft als virtuelle Medienwelt etwa flimmert uns dank der Fußballübertragungen im Fernsehen nahezu täglich in die Wohnung, die neoliberale Globalisierung strukturiert nicht nur den Spielermarkt des professionellen Fußballsports, und, pars pro toto, den aktuellen taktischen Spielauffassungen ist eben jene Struktur von (Arbeits)Organisation eingeschrieben, wie wir sie auch in der kapitalistischen Wirtschaft finden.

Die Berührungspunkte von Sport und Kunst sind das Handlungsfeld des „Kunst & Sportvereins Wilhelmsburg (KuS)” und dessen erster Abteilung: Fußball! Fußball hat im Gegensatz zu gängigen künstlerischen Praxen ein klares Bekenntnis zur Kooperation, zum Zusammenwirken der Beteiligten, zum Publikum und zum Wettkampf. Diese Elemente ins Zentrum zu rücken bedeutet mehr als eine Schwärmerei für einen vermeintlich kunstfernen Bereich, sondern vielmehr die Chance für künstlerisches und gesellschaftliches Handeln im Kontext von Stadt.

Das Projekt „Kunst & Sportverein Wilhelmsburg (KuS)” entführt Fans und solche, die es noch werden wollen, zu einem aufregenden und abwechslungsreichen Handlungsfeld von Kunst und Sport. Der Verein bietet unterschiedliche Angebote mit Künstlern, Stadtplanungsstudenten oder Musikern an. Darunter befinden sich z.B. regelmäßige Fitnessgymnastik mit Live-Musik, Jogginglectures durch Wilhelmsburg, das Erproben neuer Fußballformate oder ein Live-Fußballmagazin.

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Hamburg-Wilhelmsburg | industrial | Foto: Jens Ullheimer

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Posturban | Kunst und Leben nach der Stadt

Thomas Baldischwyler, Stefanie Becker, Björn Beneditz, Jonas Weber Herrera, Silke Kapp, Katrin Klitzke, Rupprecht Matthies, Kerstin Niemann, Erich Pick, Daniel Poller, Schroeter & Berger, Jan Sieber, Alexandra Waligorski, u. a.

Ort: Die Schute, Maknete e.V., (Veringkanal hinter der Honigfabrik, Industriestraße 125, 21107 Hamburg) Kuratiert von Corinna Koch und Roger Behrens

Urbanität heißt nicht mehr, und sei es auch als naive Vision, die unbedingte Verbesserung des Lebensverhältnisse aller Menschen in der Stadt. Die Aufwertungsprozesse, gleich ob sie die Umstrukturierung ganzer Städte (Haussmannisierung von Paris), den Neubau von Stadtteilen (HafenCity) oder Gentrifizierungsmaßnahmen (Wilhelmsburg) betreffen, bedeuten faktisch immer eine negative Veränderung der Lebensbedingungen großer Bevölkerungsgruppen.

An der Entwicklung der urbanen Gesellschaften von der Moderne über die Postmoderne bis heute kristallisiert sich die paradoxe Dynamik von Integration und Desintegration in die Gesellschaft, die von der Stadtsoziologie als Problem von Inklusion und Exklusion diskutiert wird.

Der »urban Lifestyle« ist mithin kaum noch eine positive Bezugsgröße, vielmehr verlieren sich die Lebensweisen in den gegenwärtigen Städten in Monotonie, Unverbindlichkeit, Gleichgültigkeit und Trostlosigkeit, stagnieren die Versuche, es sich irgendwie besser einzurichten, im Kitsch und in der Banalität.

Aber stimmt das? Welche Entwürfe und Potenziale gibt es im Leben nach der Stadt, wie muss eine Kritik des Alltags in einer posturbanen Gesellschaft formuliert werden? Und wozu?

Schließlich: Welche Funktion haben dabei die Kunst beziehungsweise die Formen künstlerischer Praxis? Welche Verbindungen gibt es zwischen den Künsten untereinander und zu den (post)urbanen Lebensweisen.

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Hamburg-Wilhelmsburg | die legendäre Ex |  Disco No. 1, Vogelhüttendeich 123
| Foto: Jens Ullheimer


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Termine | Sidewalk Deli

Freier Eintritt für alle Veranstaltungen und Besuch der Ausstellungen

Sonnabend, 3. Juli bis Montag, 5. Juli 2010, 14 – 19 Uhr
Posturban
Workshop mit Silke Kapp (Fakultät für Architektur, UFMG, Belo Horizonte, Brasilien) zum Thema Favelas, kreative Ghettos, Armut und Reichtum der posturbanen Architektur.

Montag, 5. Juli 2010, 19 Uhr
Posturban: Sidewalk Monday
Skype Konferenz mit Kerstin Niemann: Detroit als Paradigma für urbanen Wandel am Beispiel der Moran Street Gemeinde

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12. Juni – 11. Juli 2010

STUDIO
Raum für Ton- und Bildaufnahme, eine Künstlerwerkstatt, Versuchsbühne und Übungsraum mit unterschiedlichen Geräten zum gezielten Kraft- oder Ausdauertraining
Max Frisinger, Daniel Hauptmann, Tobias Gronau, Till van Daalen und Hannes Waldschütz
Eröffnung: 12. Juni 2010 17 Uhr
Ort: Wilhelm-Strauß-Weg 6-10, 21109 Hamburg (Nähe Berta-Kröger-Platz)

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Schute, Maknete e.V. | Veringkanal hinter der HONIGFABRIK | Industriestraße 125 – 131 | Wilhelmsburg

21107 Hamburg, Deutschland

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