Helmut SALZINGER – Best of JONAS ÜBEROHR | Popkritik 1966-1982

26. Juni 2010 | Von | Kategorie: VORSCHAU

Harburg | SA 26 JUN 10 | Kunstverein Harburger Bahnhof | Buchvorstellung 17 Uhr

Popkritik 1966-1982

Unter dem Pseudonym Jonas Überohr avancierte Helmut Salzinger mit seinen Collage-Essays „Rock Power” (1972) und „Swinging Benjamin” (1973), vor allem aber mit seiner „Jonas Überohr”-Kolumne im Musikmagazin Sounds zum angesehensten und einflussreichsten Popkritiker der siebziger Jahre.

Jetzt ist eine Sammlung seiner Texte erschienen:

Buchvorstellung | Helmut Salzinger, Best of Jonas Überohr,
Popkritik 1966-1982

High Tea des Verlags Philo Fine Arts
Sonnabend, 26. Juni 2010, 17 Uhr
Kunstverein Harburger Bahnhof
(über Gleis 3-4) Hannoversche Str. 85, Hamburg

Der Herausgeber Frank Schäfer unterhält sich mit Kito Nedo und Michael Kellner über Helmut Salzinger und die Erfindung der Popkritik.

Helmut Salzinger, 1935 geboren, 1993 gestorben, zum Dr. phil. promoviert mit einer Arbeit über »Eugen Gottlob Winklers künstlerische Entwicklung«, verdingte er sich ab Mitte der 1960er Jahre als Literaturkritiker u.a. für die Zeit und avancierte mit seinen Collage-Essays Rock Power (1972) und Swinging Benjamin (1973), vor allem aber mit seiner »Jonas Überohr«-Kolumne im Musikmagazin Sounds zum angesehensten und einflussreichsten Popkritiker der siebziger Jahre.

Seine ästhetischen und gesellschaftspolitischen Positionen sind bis zur Mitte der 1970er Jahre in einem steten Fluss. Vom wohlwollenden Beobachter und Interpreten der sich profilierenden Pop- und Protestkultur in den 1960er Jahren entwickelt er sich zum engagierten Fürsprecher der »Yippies« – jener unorthodoxen hedonistischen Linken, die kulturrevolutionäre Programmatik mit einer »psychedelischen Lebensweise« verschmolzen wissen wollte.

Auch bei ihm verwandelte sich die kulturrevolutionäre Euphorie allmählich in Desillusionierung. Salzinger war in diesem Punkt ein gar nicht untypischer Repräsentant seiner Zeit, allerdings wusste er seinen Sinneswandel so scharfsinnig wie kaum ein anderer Vertreter der Eskapisten-Fraktion theoretisch zu unterfüttern. Nicht zuletzt infolge der Rezeption von Carlos Castanedas esoterisch-mythopoetischen Schriften schmolz er die pro-revolutionäre Gesellschafts- in melancholisch-defätistische Zivilisationskritik mit radikalökologischem Einschlag um.

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Best of Jonas Überohr

ist eine chronologisch geordnete Sammlung von pop- und kulturkritischen Essays und Kritiken, für deren Auswahl der Herausgeber Frank Schäfer den Nachlass Helmut Salzingers gesichtet hat und die hier folglich teilweise zum ersten Mal in Buchform, teilweise überhaupt erstmals gedruckt vorliegen.

Das Buch lässt sich zum einen als politisch-poetologische Biografie Helmut Salzingers, zum anderen aber auch als materialreiche, meinungsfreudige (Sub-)Kulturgeschichte der 1960er und 1970er Jahre lesen.

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Helmut Salzinger | Best of Jonas Überohr
Popkritik 1966-1982

350 Seiten,
gebunden mit Lesebändchen
FUNDUS Band 187

Herausgegeben von Frank Schäfer, 1966 geboren, Dr. phil, lebt als Schriftsteller in Braunschweig. Er schreibt u.a. im Rolling Stone, in der taz, Neuen Zürcher Zeitung, Titanic und jungen Welt über manches, meistens aber über Literatur und Popkultur.

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Love and Peace und Gummiknüppel

(Erstveröffentlichung: Helmut Salzinger für die Frankfurter Rundschau, 8. 9. 1970)

Das Pop-Festival auf der Ostseeinsel Fehmarn am 4., 5. und 6. September sollte nach dem erklärten Willen der Veranstalter ein Festival der Superlative werden. Die schönen Worte „love and peace” lieferten das Motto und wiesen, auf Pappschilder gemalt, den Zehntausenden von Pop-Fans den Weg über die Inselsträßchen bis zu der Kreuzung, wo die Polizei den einzigen Weg zum Festivalgelände abgesperrt hatte und jeden, der sich nicht irgendwie als privilegiert ausweisen konnte, zum Verlassen seines Fahrzeugs zwang. Von da an war es mit love and peace zu Ende.

Von dieser Kreuzung aus ging es schätzungsweise fünf bis sechs Kilometer zu Fuß weiter, wobei die Besucher sechs oder sieben oder acht Kartenkontrollen zu passieren hatten, ehe sie das mit übermannshohem Maschendraht eingezäunte KZ, Festivalgelände genannt, erreichten. Die Kontrolle der Eintrittskarten oblag Hamburger Rockern, Ordner genannt, die, angetrunken und größtenteils mit Schlagstöcken bewaffnet, den Terror ausübten, der hier Ordnung hieß. Wer nicht gleich kuschte und sich besonderer an Unterwürfigkeit grenzender Freundlichkeit befleißigte, kriegte sofort eins in die Fresse.

Die Veranstalter saßen betreten in ihrem Organisationszentrum, das ebenfalls nur Privilegierten zugäng­lich war, und wußten nicht, was gegen ihre Ordnungshüter unternommen werden könnte. Auf die Frage, warum nach den Erfahrungen von Altamont wieder einmal die Rocker als Festivalpolizei angeheuert worden seien, erhielt ich als Antwort ein bedauerndes Achselzucken und die Auskunft, es seien ja nur dreißig von ihnen bestellt worden. Die anderen seien von sich aus gekommen und hätten dann die Schlüsselpositionen besetzt. Verschiedene Rocker, mit denen ich sprach, behaupteten, sie seien allesamt bestellt und mit drei großen Omnibussen herantransportiert worden.

Die Frage ist: Wenn schon love and peace, warum dann ausgerechnet die für ihre Freude an der Gewalttätigkeit bekannten Rocker für den Ordnungsdienst? Warum überhaupt Ordnungsdienst? Das lückenlos funktionierende Kontrollsystem legt den Verdacht nahe, daß die Veranstalter sich die furchteinflößende Unberechenbarkeit der Rocker zunutze machen wollten, um zu verhindern, daß jemand umsonst in den Genuß von love and peace käme. Wenn es sich so verhält, dann ist die Rechnung aufgegangen. Die deutsche Übersetzung von „love and peace” heißt mithin immer noch Money.

Von den großartigen Versprechungen der Veranstalter, die tadellose Organisation betreffend, blieb, die Kontrolle der Eintrittskarten ausgenommen, wenig übrig. Man war nicht auf das in dieser Jahreszeit mögliche schlechte Wetter vorbereitet (trotz einer angeblich vorher eingeholten Wetterprognose). Die angekündigten Übernachtungsgelegenheiten bestanden aus flatternden Zeltplanen, die von den Rockern und sonstigen Ordnern für sich mit Beschlag belegt worden waren. Die Festivalwiese, auf der Zehntausende in Zelten oder bloß in Schlafsäcken und Decken kampierten, verwandelte sich beim ersten Regenguß in einen Sumpf. Die versprochene Beleuchtungsanlage war nicht vorhanden oder zumindest nicht in Betrieb, so daß man bei jedem zweiten Schritt über eine Zeltleine, über den ausgelegten Stacheldraht oder in ein Sumpfloch stolperte. Das versprochene Pressezentrum mit Telefon und Fernschreiber war ein leeres Zelt, das angeblich schon am Abend vor dem ersten Veranstaltungstag von den Rockern ausgeräumt worden war.

Und die Musik? Am ersten Tag war es so, daß zwar pünktlich gegen 16 Uhr angefangen wurde. Doch der sturmähnliche Wind stand genau auf die Bühne, und wer weiter als 50 Meter von ihr entfernt war (und das waren die meisten), bekam trotz des ausgezeichneten Sound-Systems höchstens gelegentliche Musikfetzen zu hören.

Dafür konnten die Organisatoren nichts, und sie hatten auch eine glänzende Lösung für das Problem aller Pop-Festivals, die langen Umbauzeiten zwischen den verschiedenen Auftritten, gefunden. Sie hatten nämlich eine Drehbühne installiert, so daß die Anlage der nächsten Gruppe bereits aufgebaut werden konnte, während die erste noch spielte. Das aber nützte nicht allzuviel, da die Gruppen nicht zur Stelle waren.

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VIDEO | Kurzbeitrag Bayerischer Rundfunk über das Fehmarn Festival 1970

YouTube Preview Image

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Nach dem zweiten Auftritt war drei Stunden lang Pause. Als das Publikum ungeduldig wurde, hielt man es mit gelegentlichen Durchsagen hin: Fotheringay sei im Inselverkehr steckengeblieben und könne nicht einmal von der Polizei mit Blaulicht durchgebracht werden. Besucher, die um diese Zeit ankamen, berichteten allerdings, die Straßen wären frei.

Gegen 21 Uhr ging es endlich weiter. Für anderthalb von den noch ausstehenden neun Auftritten. Es regnete stark, und der Gitarrist von Renaissance soll, wie zu hören war, Wasser in die Gitarre und einen elektrischen Schlag bekommen haben. Kurzschluß und Abbruch des Programms für diesen Abend.

Das Wunder dieser Tage aber war, angesichts der nahezu chaotischen Organisation, das Publikum, das sich all dies so gut wie widerspruchslos gefallen ließ. Sie hatten 35 Mark bezahlt, waren damit restlos übers Ohr gehauen worden und glaubten noch immer an love and peace. Die Veranstalter, die vielleicht das Beste gewollt hatten, waren von der Wirklichkeit hoffnungslos überfordert und saßen verängstigt in ihrem Wohnwagen hinter der Bühne. Ohne Grund. Denn niemand dachte daran, ihnen etwas zu tun. Wie hatten sie noch vorher getönt? “Klar: Woodstock bleibt Woodstock. Aber: Fehmarn wird Fehmarn. Klar!” Der Slogan bestätigte sich. Nur anders, als er gemeint war. Und das lag eben doch nicht bloß an der Unfähigkeit der Veranstalter.

Die jungen Leute, die da restlos verkauft drei Tage lang im Schlamm lagerten und dafür noch bezahlen mußten, gelten als Hoffnung auf eine Gegenkultur, die der bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Konsumzwängen die Möglichkeit von Freiheit entgegenhält. Schon Altamont hätte das Ende solcher Hoffnung sein können. Wer auf Fehmarn dabei war und immer noch hofft, dem ist nicht zu helfen. Diese jungen Leute lassen sich bereitwilligst von den Managern ihrer eigenen Couleur verschaukeln. Sie wehren sich nicht nur nicht, sie kommen nicht einmal auf die Idee, sie könnten verschaukelt worden sein.

Woodstock wurde zum Mythos, weil es dort gelang, die Unfähigkeit der Veranstalter durch spontane Selbstorganisierung zu überspielen. Man tat es der Not gehorchend.

Auf Fehmarn brachte nicht einmal die Not Selbstorganisierung zustande. Natürlich, sie halfen sich gegenseitig. Als es kalt wurde, rückten sie enger zusammen. Sie teilten Essen und Trinken. Das war aber auch alles. Sie schimpften, aber wußten nicht auf wen. Und vor allem verschwendeten sie keinen Gedanken an das, was sie selbst unternehmen könnten. Sie gaben sich mit ihren Joints zufrieden.

Was bis heute als Underground, Gegenkultur oder Pop-Generation den Schein des Besseren an sich trug, entpuppt sich als Versagergeneration. Diese jungen Leute werden nichts verändern oder gar verbessern. Sie lassen alles mit sich machen und fühlen sich auch noch high dabei. Sie sind bravere Konsumenten als ihre sauberen gutgekämmten Altersgenossen, die gehorsam die vorgeschriebenen Laufbahnen der bürgerlichen Gesellschaft einschlagen. Wenn man sie prügelt, dann ducken sie sich. Sie schlängeln sich über die Schleichpfade, die das kapitalistische System für all die offenläßt, die den geordneten Betrieb doch nur stören würden. Aber sie täten nicht einmal das. Indem sie sich entziehen, lassen sie sich von anderen Geschäftemachern einfangen und kommandieren. Und sie parieren, von einzelnen, mit denen die Rocker rasch fertig werden, abgesehen.

Nach Fehmarn müßte es endlich klar sein: Die Sache mit den Pop-Festivals dient lediglich dazu, ein paar Kapitalisten im Hippielook rasch die Taschen zu füllen. Um so schlimmer, wenn diese selbst das noch nicht gemerkt haben sollten und ihren eigenen Parolen aufsitzen. Pop und falsches Bewußtsein sind Synonyme.

Einen weiteren Text von Jonas Überohr “Vom Geschäft der Kritik / Sounds, 11/1974″ lesen

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Systematische Auswilderung

FRANK SCHÄFER für die TAZ | Artikel lesen

Der 1935 geborene Salzinger hat Rockmusik im deutschsprachigen Feuilleton überhaupt erst hoffähig gemacht – und die Popkritik gleich auch politisiert. Denn er hat Pop als eine Form der Gesellschaftskritik ernstgenommen und war in der Dekade zwischen 1967 und 1977 die wirkungsmächtigste Stimme der Popkritik.

Klassisch-humanistisch gebildet, mit einer literaturwissenschaftlichen Dissertation über “Eugen Gottlob Winklers künstlerische Entwicklung” im Fach Germanistik auch akademisch ausgewiesen, beginnt Helmut Salzinger Mitte der 60er-Jahre als freier Literaturkritiker für die Zeit. Bald schon wird er angefixt von der US-Counterculture, ihren Bands und literarischen Erzeugnissen und nicht zuletzt auch vom Politaktivismus der Youth International Party (Yippies) und deren Gründer Jerry Rubin. Auch aus seiner Sympathie für die Studentenbewegung der Bundesrepublik macht Salzinger nie einen Hehl.

Mit Konzertberichten, Plattenkritiken und Texten etwa über die Rolling Stones oder Jefferson Airplane erschreibt er sich einen Ruf als Instanz für Alternativkultur und wird so zu ihrem einflussreichsten Dolmetscher im bürgerlichen Mainstream, den er da schon längst verlassen hatte.

Dass sein Versuch, der Gegenkultur und ihrem politisch-revolutionären Impetus in einem kulturkonservativen Medium wie der Zeit eine Stimme zu verleihen, nicht lange ohne Sanktionen bleiben würde, hätte er sich eigentlich denken können. Und vielleicht hat sich Helmut Salzinger dabei auch etwas gedacht und wollte es einfach nur bis zum Äußersten ausreizen. Als Salzinger im Sommer 1970 in einem Artikel unverhohlen Werbung für Bootlegs macht, unter anderem für Dylans “Basement Tapes”, und zumindest indirekt die Praxis der Raubpressungen als emanzipatorischen Akt gegen das Produktionsmonopol der Kulturindustrie billigt, kommt es zum offenen Bruch mit der Redaktion.

Vorher konnte er noch einige ideologische Molotowcocktails ins Blatt schmuggeln. Über ein Jefferson-Airplane-Album schreibt er in einer Rezension vom 20. Februar 1970, “,Volunteers’ ist schon deswegen ein gutes Album, weil es die Widersprüche der bestehenden Gesellschaft bloßlegt. Die Revolution wird es nicht auslösen, aber es hilft mit, das Bestehende weiter zu unterhöhlen.” Jefferson Airplane setzten sich damals gegen ihre Plattenfirma durch, die “Volunteers” zensieren wollte, und zwar nicht der Agitprop-, sondern vielmehr der obszönen Stellen wegen. “Revolution, ja, weil verkäuflich; Obszönität, nein, weil möglicherweise unverkäuflich. Solange sich mit der Revolution Geld machen lässt, wird damit Geld gemacht. Ob die Jefferson Airplane dadurch unglaubwürdig werden?”

Eben das ist die Frage, die fundamentale Aporie, der sich Salzinger in seinem fulminanten Collage-Essay “Rock Power” (1972) stellt. Er montiert hier vornehmlich fremde, aber auch eigene Artikel, Zeitungsmeldungen, Magazintexte und Lyrics zu einem vielstimmigen Dialog, der die Frage diskutiert, wie viel revolutionäres Potenzial der Popmusik überhaupt noch innewohnt, wenn “das revolutionäre Engagement” bereits “Teil der Bühnenshow” ist.

Rock Power oder Wie musikalisch ist die Revolution
von Helmut Salzinger
Broschiert, 257 Seiten
Rowohlt TB-V (Mai 1986)

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Salzinger bemüht sich, zeitgenössische Debatten zusammenzufassen und in den wichtigsten Positionen zu dokumentieren: die idiosynkratische Reaktion des konservativen Bildungsbürgertums auf die “Negermusik” ebenso wie die gelungene Inkorporation und also Befriedung der revolutionären Attitüde durch den Markt. Ausführlich geht er auf die daraus resultierende Grundsatzkritik der orthodoxen Linken und das pragmatische und hedonistische Revoluzzertum der Yippies ein. Yippie-Mitbegründer Jerry Rubin wollte, so schreibt Salzinger, “die Politik der Neuen Linken mit einer psychedelischen Lebensweise verschmolzen” haben.

Vor allem den Yippies traut Salzinger einschneidende gesellschaftliche Veränderungen zu. Auch wenn er einräumen muss, dass die Revolution zumindest erst mal vertagt ist und die Kulturindustrie sich eine goldene Nase an ihr verdient: “Wenn der Kulturbetrieb mit seinen rosa Feuilletons die Gegenkultur mit den von ihm verwalteten kulturellen Phänomenen einzugemeinden versucht, dann setzt er sich buchstäblich Läuse in den Pelz. Die Langhaarigen sind, auch wenn sie das selbst noch nicht wissen sollten, Revolutionäre, und ihre Musik, der momentan von den Feuilletonisten sämtlicher politischer Fraktionen als Konsumschund gescholtene Rock ‘n’ Roll, bezeichnet, wie Jerry Rubin sagt, ,den Beginn der Revolution’, was immer die Vergnügungsindustrie aus dieser Musik gemacht haben mag.”

TAZ | Artikel lesen

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Desillusionierung und Resignation

Michael Seyfert für rbb Kulturradio

Salzingers Arbeiten brachen zuerst der Gegenkultur die Lanze. Doch nach einigen Jahren wurden die Zweifel an deren Umgestaltungskraft immer größer.

Salzinger zog sich desillusioniert auf einen niedersächsischen Bauernhof zurück, war nur noch an der privaten Befreiung des eigenen Bewusstseins und an radikal-ökologischen Positionen interessiert. Pop- und Kulturrevolution sah er als gescheitert an. Die Besucher von Rockfestivals erschienen ihm jetzt als brave Konsumenten, die alles mit sich machen lassen in einer Welt, die aus Love and Peace nur noch Geld schöpfte.

Zu Salzingers Resignation an der Populärkultur, besonders an der Rockmusik, gesellten sich Technikfeindschaft und generell die Kritik an westlichem Denken. Die Essays in diesem Band sind brillant formulierte Kleinode. Sie können uns auch heute noch zum Nachdenken und Fragen anregen.

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Kunstverein im alten Harburger Fernbahnhof,
Hannoversche Str. 85 (über den Gleisen 3+4)

21079 Hamburg, Deutschland

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