Elbinsel-GYPSY-FESTIVAL | Bürgerhaus Wilhelmsburg

23. März 2012 | Von | Kategorie: Bewegungsmelder, Journal, Konzerte, VORSCHAU

Wilhelmsburg | FR 23 MRZ ab 19 Uhr + SA 24 MRZ 12 ab 15 Uhr | Konzerte, Lesung, Gitarrenwerkstatt und -ausstellung

links: WauWau Adler / rechts: Otto Rosenberg

Die Familie Weiss und das Bürgerhaus Wilhelmsburg laden ein zu einem hochkarätig besetzten Gypsy-Festival. Beim diesjährigen Festival soll u.a. an die bekannten deutschen Sinti Otto Rosenberg und Ewald Hanstein, mit Lesungen, Diskussionen und musikalischen Beiträgen (Café Royal Salon Orchester, Romeo Franz, Wawau Adler, Kako Weiss und dem Melody Weiss Ensemble) erinnert werden.  

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Das beliebte Elbinsel-Gypsy-Festival findet bereits zum 4. Male statt. Nach den Erfolgen der letzten Jahre, ist das Festival zu einem traditionellen Wilhelmsburger März-Event geworden. Ein Wochenende Gypsy pur.

23. / 24. März 2012

Eintritt ( Konzerte ): Tagestickets Freitag & Sonnabend jeweils 17,-
Festivaltickets (Eintritt für beide Tage): 30,-
SA Nachmittag ohne Konzerte: Eintritt frei

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Die Familie Weiss

[ via Djangos Erben (SWR) 2008 | Film von Suzan Sekerci, Dramaturgische Beratung: Fatih Akin ]

In den 1980er Jahren wurde speziell für sie eine Siedlung in Hamburg-Wilhelmsburg konzipiert. Heute leben rund 500 Mitglieder der Familie Weiss in 44 Reihenhäusern am Georgswerder Ring.

Im Mittelpunkt des Films stehen Emil und Manusch Weiss. Der 80-jährige Emil Weiss ist das Oberhaupt der Familie, sein Wort gilt. Er bewahrt und pflegt die Traditionen und ungeschriebenen Gesetze der Sinti, gibt sie an die junge Generation weiter.

Dazu zählt nach wie vor das Reisen in Wohnwagen. Heute finden die Fahrten allerdings nur noch sporadisch statt, meist in den Schulferien der Kinder. Die Umstellung von Wohnwagen auf Häuser fiel damals allen sehr schwer. Emil Weiss erinnert sich: “Als wir dann da rein gekommen sind und die Decke war so hoch, da haben wir es alle mit der Angst gekriegt. Und da ist mir was eingefallen: Ich habe die eine Mauer rausgeschlagen, habe am Wohnwagen eine große Tür eingebaut und dann haben wir den Wohnwagen dicht rangefahren, direkt an die Hauswand, (…) und dann konnten wir abends in unserem Wohnwagen schlafen. Aber gekocht, gegessen und getrunken haben wir dann im Haus.”

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Nach der Sturmflut 1962 konvertierten die Sinti zum Katholizismus: “Ein Zeichen Gottes,” sagt der alte weise Mann, “die Flut verschonte unsere Wohnwagen.” Nicht immer meinte es das Schicksal so gut: Ab 1941 leistete Emil Weiss Zwangsarbeit in der “New York Hamburger-Gummi Waaren Compagnie” in Harburg. Alma überstand das KZ Belzec. “Warum wir blieben?” wiederholt Weiss die Frage. “Ist unsere Heimat!”

Die Familie Weiss, deren Mitglieder international in einem Atemzug mit Django Reinhardt genannt werden, leben seit 170 Jahren in Hamburg.

DJANGO is GOD

VIDEO | Django Reinhardt | LIFE Dokumentation Teil 1 von 5

YouTube Preview Image

Dokumentarisch angelegtes Video über den Superstar des Sinti-Jazz mit historischem Filmmaterial.

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Wir Zigeuner sind eigentlich auch musikalisch, das muss ich sagen. Wie Django Reinhardt, der ist auch ein Weiss. Von einer Seite Weiss und von der anderen Seite Reinhardt. Django war aber früher eigentlich ein Geiger. Aber der Wohnwagen von ihm hat gebrannt, und sie haben es zu spät gemerkt und bis er rausgesprungen ist, hat er sich die Hand verbrannt. An der linken Hand waren dann nur noch die drei Finger und die anderen waren verbrannt. Er hatte ja Geige gespielt und mit den drei Fingern konnte er keine Geige mehr spielen und deswegen hatte er dann umgelernt auf Gitarre.” [ Emil Weiss ]

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Erinnern ohne Zeitzeugen

SA 24 MRZ 12 | 16 Uhr Lesung und Diskussion mit Petra Rosenberg und Ralf Lorenzen

Zwei bedeutende deutsche Sinti erzählten ihre Lebensgeschichten: der Berliner Otto Rosenberg und der Bremer Ewald Hanstein. Die Autobiografien »Das Brennglas« und »Meine hundert Leben« dokumentieren den Lebens- und Leidensweg deutscher Sinti und Roma im letzten Jahrhundert.

Petra Rosenberg liest aus dem Buch ihres Vaters, dessen Arbeit sie als Vorsitzende im Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg fortführt. Aus dem Buch von Ewald Hanstein liest der Hamburger Autor Ralf Lorenzen. Im Anschluss Diskussion mit weiteren Gästen zum Thema »Erinnern ohne Zeitzeugen«.

Otto Rosenberg (1927-2001),

Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz, war Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. Unermüdlich setzte er sich für die gesellschaftliche Gleichstellung von Sinti und Roma ein und kämpfte für ihre Anerkennung und Entschädigung als Opfer des Nationalsozialismus. Für seine besonderen Verdienste um die Verständigung zwischen Minderheit und Mehrheit wurde er 1998 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Zu einer seiner wichtigsten Initiativen gehörte die Unterstützung für die Errichtung eines Denkmals für die 500 000 Holocaust-Opfer der Sinti und Roma südlich des Brandenburger Tores.

Otto Rosenberg hat die Tortour durch die Vernichtungslager der Nazis – wie durch ein Wunder – überlebt. Er war ein Bub, 9 Jahre alt, als sie begann. Und er war ein seelisch abgestumpfter und körperlich gebrochener Mensch, als er 1945 befreit wurde. Äußerlich befreit. Denn die Wunden im tiefsten Inneren blieben.

Erst 40 Jahre danach fand er die Kraft, seine Geschichte, die 1936 auf dem so genannten Zigeuner-Rastplatz Marzahn begann, zu erzählen. So bleibt sie lesbar, aufgeschrieben von Ulrich Enzensberger und als Buch „Das Brennglas“ vom Eichborn-Verlag herausgegeben.

Das Grauen in Auschwitz beschreibt Rosenberg als etwas Alltägliches, dem die Insassen meist keine Beachtung mehr schenken: “Die Leichen gehörten zu unserem Tagesablauf. Sie waren einfach da, und wir mußten sie sehen. Sie waren nicht zu übersehen. … In so einer Lage verlieren die Leute das Gefühl für den Menschen.”

Und dennoch hat Rosenberg den Blick für das Menschliche nicht verloren. Immer wieder erzählt er von Begebenheiten, in denen Aufseher, z.T. auch SS- Leute kleine, menschliche Gesten zeigten: ”Jeder hatte eine bestimmte Verantwortung, aber jeder hatte auch einen Posten, den er minder oder mehr auswerten und verschieden ausüben konnte. Er konnte die Leute schlagen, aber auch sehr gut mit ihnen umgehen. Das war den einzelnen überlassen.”

Er überlebt – krank an Körper und Seele – und hat dann nach 1945 mit Behörden zu tun, die ihm zustehendes Geld nicht gewähren mit Begründungen, die jeder Logik und realen Möglichkeit widersprechen: “ Sie wollten von mir eine Geburtsurkunde, nachdem mir alle Papiere doch abgenommen waren! … Die Nazis saßen hinter den gleichen Schreibtischen, hinter denen sie vorher gesessen waren.”

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Konzert-Programm GYPSY-FESTIVAL Wilhelmsburg 2012

FR 23 MRZ 12 | 19 Uhr | Abendkasse

Café Royal Salon Orchester www.caferoyal.de

Das Cafe Royal Salonorchester, wurde 2005 durch Familienmitglieder der Sinti–Familie Weiss aus Hamburg, dem Gitarristen Clemens Rating und Bassisten Axel Burkhardt gegründet.

Lag der musikalische Schwerpunkt anfänglich auf der Musik des legendären französichen Sinti-Gitarristen Django Reinhardt (und dessen ebenso berühmten „Quintett de Hot Club de France”), dem „Gypsyswing”, so wurde das Spektrum bald um Ungarische Musik, Wiener Kaffeehaus und eigene Kompositionen erweitert.

Vier Generationen der besten Zigeunermusiker in einem Ensemble:

Bummel Weiss – Violine | Pello Weiss – Viola | Kako Weiss – Saxofon | Baro Kako Weiss – Akkordeon | Clemens Rating – Gitarre | Axel Burkhardt – Kontrabass | Melody Weiss – Gesang

Zigeunerswing, ungarischer Czardas, Caféhausmusik und Pariser Musette. Seit über 4 Jahren begeistert Café Royal – das Ensemble der Familie Weiss aus Hamburg – sein Publikum in ganz Deutschland und Europa mit seiner ebenso ausdrucksvollen, wie temperamentvollen Musik, die Lebensfreude sowie süße Melancholie mit größter Leidenschaft zu vermitteln weiß.

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FR 21.30 Uhr | Abendkasse

ROMEO FRANZ ENSEMBLE

Special Guest: Joe Bawelino »Big Papa Joe«, der unbestritten zu den besten Jazz-Gitarristen Europas gehört und, nach Meinung der Fachpresse, würdig die Tradition von Django Reinhardt weiterentwickelt.

Romeo Franz  ( 1. Vorsitzender der Bildungs- und Kulturinitiative der Sinti und Roma ) ist Geiger und Pianist und zudem ein Meisterschüler vom fabelhaften Schnuckenack Reinhardt.

Paulus Schaefer – Gitarre; Sendelo Schaefer – Rhythmus- Gitarre; Noah Schaefer – Bass; Wattie Rosenberg – Violine

Von Hot Swing á la Django Reinhardt, mit den bekanntesten Evergreens dieser Stilrichtung, bis hin zu Barjazz, Diner-Music, Latins, Musette und Balladen, oft durch Eigenkompositinen bereichert, reicht das excellente Musikprogramm.

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SA 24 MRZ 12 | 20 Uhr Abendkasse

Wawau Adler Group www.wawau-adler.com

Gipsy-Swing in der Tradition Django Reinhardts

Wawau Adler: Solo- Gitarre · Holzmanno Winterstein: Rhythmus-Gitarre · Joel Locher: Bass

Ich mag es nicht so schnell, lieber schön , sagt Wawau Adler. Dass er beides bestens beherrscht, beweist der international renommierte Gitarrist auf “Here s to Django!”, seiner fabelhaften neuen CD. Offensichtlich ist dieses Wunderwerk eine Hommage an Jean Django Reinhardt, den belgischen Maestro des Jazz Manouche oder auch Gypsy Swing und nach wie vor einflussreichsten europäischen Jazzmusiker, der am 23. Januar 2010 seinen einhundertsten Geburtstag gefeiert hätte.

TONTRÄGER | Here’S to Django! | Preview Player

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Doch zum Glück sind diese zwölf Kleinodien für zwei Gitarren und einen Bass (und einmal sogar Cello) so viel mehr. Mal romantisch, auch mal rasant, immer rhythmisch, zu gleichen Teilen tief empfunden und hocherfreulich, transportiert sich die Musik dieses Gypsy-Trios jenseits von Stilfragen oder Traditionalismus. Wer Django noch nie bewusst gehört hat, außer vielleicht im Soundtrack von The Matrix und diversen Woody-Allen-Filmen, kommt hier mindestens so sehr auf seine Kosten, wie alle Hot-Club-Jünger und Djangologisten.

VIDEO | Wawau Adler – Tiger Rag

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Ich wollte Django meine Ehrerbietung erweisen , sagt Wawau Adler, auf die ihm eigenartige Weise. Deshalb war es mir wichtig, ihn keinesfalls zu kopieren. Ich spiele seine Melodien und meine eigenen Kompositionen, aber immer ganz anders als zuvor. Schon das Gitarrenspiel des gebürtigen Karlsruhers ist erfrischend modern, seine Arrangements so bezaubernd wie bewundernswert. Nach aufwändiger Vorbereitung und an nur zwei Dezembertagen im Tonstudio Bauer entstand so ein zeitlos schönes Album, das bestens zu Sonnenstrahlen auf Schnee oder Eiswürfeln im Sundowner passt. Die Gefühle und Stile von Djangos Einflüssen über Tango und Swing bis zu Bolero und Bebop sind allumfassend und auf den Punkt; wer diese Musik hört, lebt ein Stück beschwingter.

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22.30 Uhr | Abendkasse

Kako Weiss Ensemble

Kakos Ausnahmetalent, sein Ton und leidenschaftlicher Ausdruck haben ihn über Hamburg hinaus bekannt gemacht.  Mit 6 Jahren tauschte er Klavier gegen Saxophon und kann sich seitdem ein Leben ohne Instrument nicht mehr vorstellen.  Den Django-Reinhardt-Stil bekam er in die Wiege gelegt. Hinzu kommt seine Leidenschaft für den Tango von Piazzolla. Das Kako Weiss Ensemble aus Wilhelmsburg lässt beide Stile harmonisch verschmelzen.

Kako Weiss: Saxophon · Axel Burkhardt: Kontrabass  · Patrick Pagels: Gitarre · Buggy Braune: Piano  · Michael Pahlich: Schlagzeug

Zeitlos, lebendig, emotional – das Kako Weiss Ensemble schlägt eine Brücke von europäischem Sinti-Swing über amerikanischen Jazz bis zu Astor Piazzollas Tango Nuevo. Der Saxofonist KaKo gehört zur Hamburger Linie der berühmten Musikerfamilie Weiss, die seit 170 Jahren an der Elbe wohnt. Als Hamburger Jung’ ist KaKo Weiss auch in Sachen HipHop unterwegs, kürzlich erst an der Seite von Das Bo. Jetzt hat er seine eigene Band zusammengestellt und ergänzt mit Größen der lokalen Jazzszene die lange Familientradition um ein ganz neues, leidenschaftliches und modernes Kapitel. [ via ÜBERJAZZ 2011 / Kampnagel ]

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23.30 Uhr | Abendkasse

Melody Weiss und Band

featuring: Kako Weiss, Saxophon

Melody Weiss wuchs in der Musikerfamilie Weiss mit der lebendigen Tradition der Manuschmusik auf. Als Sängerin geht sie nun ihren eigenen Weg.

Melody Weiss: Gesang · Nils Kötting: Piano · Gerd Bauder: Kontrabass · Michael Pahlich: Schlagzeug · Kako Weiss: Saxophon

Frischer Wind aus Hamburgs junger Jazzszene: Die 17jährige Sängerin Melody Weiss bezaubert mit ihrer klaren, dunklen Stimme und ihrem ganz eigenen Mix aus Jazz und Pop. Mit Nils Kötting am Piano, Gerd Bauder am Kontrabass und Michi Pahlich am Schlagzeug hat sie drei junge Musiker zur Seite, die Ihre Liebe zum Jazz und ihre Offenheit für andere Musikstile teilen. Ihr Repertoire umfasst sowohl Jazz-Standards, als auch Popsongs und Soulklassiker.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf frische Arrangements und jazzige Interpretationen ohne musikalische Berührungsängste gelegt. Die Verbindung von Melodys atemberaubender Stimme, einem romantischen Piano und einem groovenden Gespann aus Bass und Schlagzeug schlägt dabei mit Leichtigkeit eine Brücke zwischen Tradition und Moderne.

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Bürgerhaus Hamburg-Wilhelmsburg, Mengestraße 20

21107 Hamburg, Deutschland

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Ein Kommentar
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  1. Liebe Zeitungsmacher! Vielen Dank für diesen Hinweis, ich freue mich auf dieses Wochenende.