Denkmalwelt Harburger Binnenhafen
- new-york-hamburger-gummiwaaren | Foto: Jens Ullheimer
Gummifabrik bedroht
TAZ – Christin Springer | OKT 08
Hamburgs Stadtbild könnte bald um ein Wahrzeichen ärmer sein: Die Fabrik der New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie soll abgerissen werden. Der Investor plant einen Neubau
Der Grund für den Abriss sei die Gesundheitsgefahr, die von den Gebäuden ausgehe. Ein von ihm in Auftrag gegebenes Gutachten besagt, dass das Mauerwerk mit krebserregenden Nitrosaminen belastet sei.
Einem Abbruch der Gummifabrik müsste das Denkmalschutzamt zustimmen, allerdings setzt sich dieses für den Erhalt der roten Backsteinbauten ein.
Der Fabrikkomplex sei “eines der eindrucksvollsten Beispiele der Industriearchitektur im heutigen Hamburg”, sagt Christine Onnen, beim Denkmalschutzamt für Inventarisation zuständig.
Ein zweites Gutachten steht noch aus. Erst wenn sich die Schadstoffbelastung dort bestätigt, möchte sich das Amt zu Lösungsansätzen äußern.
Weniger zurückhaltend zeigten sich Bezirksamtsleiter Torsten Meinberg und Baudezernent Jörg Penner. Bereits im Sommer überlegten sie, die Fabrik abzubrechen und nur die Fassade zu erhalten – eine Lösung, die Jürgen Ellermeyer vom Museum der Arbeit ablehnt. Der Kurator, der für die NYH zuständig ist, plädiert für den Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude. Natürlich solle niemand unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten, sagt Ellermeyer. “Aber die Abbruchdrohungen sind nicht akzeptabel, bevor nicht genau und transparent geprüft wird, wie wesentliche Teile der Fabrik erhalten werden können.” Die NYH sei von großer Bedeutung, schließlich habe Europas Kunststoffindustrie in Harburg begonnen.
Eine Broschüre über Denkmäler im Harburger Binnenhafen
Download / Herunterladen / Öffnen der Broschüre ( Buch im PDF-Format, kostenlos, 51 Seiten, 4.8MB )
Die “Internationale Bauausstellung Hamburg” und das Denkmalschutzamt Hamburg haben im Oktober 2008 ein mit historischem Bildmaterial versehenes Buch über den Harburger Binnenhafen veröffentlicht. Schnörkellos auf den Punkt gebracht ist der Artikel “Der Harburger Binnenhafen aus stadthistorischer Sicht”, von Sibylle Küttner. Sie beschreibt hier die industrielle Entwicklung Harburgs von 1800 bis 1960 unter besonderer Würdigung des Harburger Binnenhafens, der der späteren Stadtentwicklung die entscheidenden Impulse gegeben hat. Interessante und spannende Informationen. Das Buch wirkt jedoch wie eine “Lose-Blatt-Sammlung”, das sowohl themennahe als auch themenfremde Inhalte mischt. Besonders in Hinsicht auf die Auswahl aktueller Fotos kommt die Publikation mehr als lieblos hingeschludert daher.

“Der Harburger Binnenhafen ist eine Entdeckung wert: Ein geschichtsträchtiger, vitaler Ort mit zahlreichen Denkmälern, mit interessanten, innovativen Denkmalprojekten, für die sich bemerkenswert viele Menschen einsetzen und darüber spannende Geschichten erzählen können. Seit 30 Jahren engagiert sich auch das Denkmalschutzamt im Harburger Binnenhafen. Es gehört einem stetig gewachsenen Netzwerk von Akteuren an, das aus den zuständigen Behörden, dem Helms-Museum, Bauherren, Projektentwicklern, Architekten, Anwohnern und Gewerbetreibenden besteht. Eine Reihe von Protagonisten dieses Netzwerkes hat an dem vorliegenden Buch mitgewirkt. Entstanden ist dabei ein unkonventionelles Denkmalbuch, das fachliche und persönliche Beiträge umfasst – ein Buch über Denkmäler und Menschen.”
Prof. Dr. Karin v. Welck
Senatorin für Kultur, Sport und Medien
der Freien und Hansestadt Hamburg
“Die vorliegende Veröffentlichung beleuchtet die Geschichte, die historisch-topografischen Zusammenhänge und den bereits vollzogenen oder noch geplanten Umgang mit dem hier erhaltenen kulturellen Erbe. Sie beschränkt sich nicht auf fachwissenschaftliche Beiträge aus den Bereichen der Archäologie und Stadtgeschichte, der Denkmalkunde und der Denkmalpflege, sondern bietet Raum für Betrachtungen auch aus Sicht der unmittelbaren Akteure: Eigentümer, Entwickler und Architekten. Sie ist damit Plattform der Gebiets- und Eigenwerbung wie auch der Denkmalpflege. Der Erfolg der bereits durchgeführten Projekte, der instandgesetzten und neu genutzten Baudenkmäler spricht für sich. Und er verspricht dem Harburger Binnenhafen eine Zukunft von ganz eigener Identität: eine sichtbar auf ihre Geschichte gegründete, außergewöhnliche Adresse von herbem Charme.”
Frank Pieter Hesse
Leiter des Denkmalschutzamtes
der Freien und Hansestadt Hamburg

INHALTE / Auswahl
Kapitel 1: Archäologie und Baugeschichte
| Schlossinsel und Harburger Schloßstraße archäologisch gesehen
von Elke Först
| Der Harburger Binnenhafen aus stadthistorischer Sicht
von Sibylle Küttner
Kapitel 2: Das Denkmal
| Eine Reise durch ein Schichtendenkmal – der Denkmalwert des Harburger Binnenhafens
von Katrin Meyer
Kapitel 3: Planungsgeschichte und Planungsperspektiven
| Planungsprozess Harburger Binnenhafen
von Geerd Fischer
| Planungsperspektiven
von Jörg Heinrich Penner
Kapitel 4: Die Projekte | Übersicht, Einführung
4. 1. Einzigartige Schönheiten
| Wohn- und Kontorhaus, Kanalplatz 6
von Birgit Caumanns
| Wohn- und Kontorhaus, Harburger Schloßstraße 43
von Wolfgang Betz
| Wohnhaus, Karnapp 5
von Geerd Fischer
4. 2. Industriedenkmäler.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
| Ehemaliges Lokomotiv- und Waggonausbesserungswerk Harburg, Schlachthofstraße 1-3
von Stefan Weiß, Cornelius Liedtke / Denkmalschutzamt
| Kaispeicher, Veritaskai 1-3
von Manfred Vogler
| Fleethaus, Schellerdamm 2
von Heiner Limbrock, Bettina Husemann, Kurt Groenewold
| New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie AG, Nartenstraße 12
von Susanne Schöß / Denkmalschutzamt
4. 4. Perspektiven
| Silo, Bauhofstraße 10
von Jürgen Hansen, Burkhart Springstubbe, Dietmar Wintschnig
| Ehemalige Spirituosen- und Likörfabrik Hilke, Karnapp 15-16
von Ingrid Spengler, Manfred Wiescholek
| Ehemaliger Kaufhausspeicher, Blohmstraße 22
| Fotoserie | Harburger Hafen ansehen



























